Herausgegeben von Uwe Backes. Die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus erschöpft sich oft in einer kurzatmigen Gegenwartsdiagnose. Dieser Band stellt die Debatte auf eine historisch fundierte Grundlage. Bedeutende Konstellationen und Problemstellungen Gewalteskalation nach dem Ersten Weltkrieg, Neuer Nationalismus, NS-Ideologie, Verschwörungsideologien, "Neue Rechte", jugendliche Subkulturen der "Neonazis" und "Skinheads" zeigen Inhalt und Bedeutung rechtsextremer Ideologien vom deutschen Kaiserreich bis in die Gegenwart. Die deutsche Entwicklung wird dabei in den europäischen Kontext italienischer Faschismus, französischer Nationalismus zwischen den Kriegen, Rechtsextremismus im heutigen Russland eingebettet. Die Autoren fragen nach der Rolle antikommunistischer wie antisemitischer Feindbild-Konstruktionen, den Wechselwirkungen mit dem ideologischen Gegenpol und den strukturellen Gemeinsamkeiten der Extremismen/Totalitarismen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2005
Aufschlussreich findet Rezensent Leonhard Neidhart diesen Sammelband über "rechtsextreme Ideologien in Geschichte und Gegenwart". Während die Einleitung des Herausgebers Uwe Backes, die sich mit Definitionsfragen befasst, seines Erachtens "unergiebig und abstrakt" bleibt, gehen die weiteren Beiträge das Thema "exemplarischer und komplexer" an. Neben dem Beitrag von Stefan Breuer, der sich mit dem Unterschied des in der Weimarer Republik aufgekommenen "neuen Nationalismus" und dem alten des Kaiserreichs befasst, nennt Neidhart insbesondere Frank-Lothar Krolls Untersuchung der destruktiven Potentiale der Utopien eines "neuen Menschen" im Nationalsozialismus und Bolschewismus. Weiter hebt er Jean-Yves Camus? Beitrag hervor, der eine Periodisierung versucht und eine Typologie des Rechtsextremismus entwirft. Instruktiv findet er ferner Eckhard Jesses Blick auf rechtsextreme deutsche Intellektuelle sowie Rainer Erbs Beitrag über "ideologische Anleihen, Geschichtsbildern und Symbolen rechtsextremer Jugendlicher". Etwas enttäuscht zeigt er sich dagegen von Mischa Gabowitschs Beitrag, der den russischen "Nationalpatriotismus" der Gegenwart und sein Verhältnis zum Kommunismus thematisiert.
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