Clara Mattei

Die Ordnung des Kapitals

Wie Ökonomen die Austerität erfanden und dem Faschismus den Weg bereiteten
Cover: Die Ordnung des Kapitals
Brumaire Verlag , Berlin 2025
ISBN 9783948608569
Taschenbuch, 586 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

In "Die Ordnung des Kapitals" zeigt Clara E. Mattei auf, dass es bei der Erfindung der Austerität in Wirklichkeit darum ging, kapitalistische Hierarchien abzusichern und die Demokratie zu begrenzen. Sie spürt den Ursprüngen der modernen Austerität im Großbritannien und Italien der Zwischenkriegszeit nach und dokumentiert, wie Ökonomen in Reaktion auf starke Arbeiterbewegungen eine neue Politik entwickelten, um die Bevölkerung zu disziplinieren und ihre Hoffnung auf sozialen Wandel zu durchkreuzen. Dabei ergriffen so unterschiedliche Systeme wie der britische Liberalismus und der italienische Faschismus weitgehend dieselben Maßnahmen - mehr noch, Liberale billigten die Gewalt der Faschisten als das äußerste politische Mittel, um ihre gemeinsamen ökonomischen Ziele zu erreichen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.06.2025

Als "ein Geschenk" für "Progressive" bezeichnet Rezensent Daniel Stähr Clara Matteis Buch über Austeritätspolitik. Diese ist nicht etwa, wie von konservativer Seite oftmals angeführt, ein notwendiges Übel, um die Wirtschaft in Krisenzeiten wieder in Gang zu bringen, sondern, so Mattei laut Stähr, Mittel zum Zweck der Konsolidierung von Klassenherrschaft. Die Ökonomin Mattei zeige das quellengestützt anhand der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, der gezeigt hatte, dass der Staat durchaus massiv in die Wirtschaft eingreifen kann, und zwar zugunsten der Bevölkerung. Ökonomen entwickelten daraufhin das Konzept der Austeritätspolitik, zu der auch Leitzinserhöhungen und Schleifung von Arbeitnehmerrechten zählen, um die Herrschaft des Kapitals zu sichern. Dass Mattei auf die Rolle von Ökonomen, zum Beispiel auch hinsichtlich des Faschismus in Italien, blickt, gefällt dem Rezensent besonders gut. Es sind eben, beschreibt Stöhr mit Mattei, nicht zuletzt Ökonomen, die Austerität als alternativlos postulieren, obwohl jeder wissenschaftliche Beleg für diese Behauptung fehle. Zu weit geht das Buch der Rezensentin, wo Mattei Zentralbanken schlechthin als Institutionen zur Unterdrückung von Arbeitern brandmarkt, das werde der Komplexität wirtschaftlicher Zusammenhänge nicht gerecht. Aber das bleibt ein kleiner Einwand in einer ansonsten rundum positiven Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.05.2025

Nur kleine Einwände hat Rezensent Constantin Hühn gegen die Argumentation der Ökonomin Clara Mattei. Insgesamt leuchtet es ihm ein, wie sie Austeritätspolitik, was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, als kontraproduktives Werkzeug, beschreibt - nämlich als ein Set von Maßnahmen, das den Fortbestand des Kapitalismus sichern sollen und das ausschließlich den Reichen nützt. Historisch reicht dieses Buch, lesen wir, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zurück, als die Erfahrungen der Kriegswirtschaft die Arbeiterbewegung stärkten und den Kapitalismus gefährdeten. Die Antwort der wirtschaftlichen Eliten war Austeritätspolitik, unterfüttert von einer vorgeblich unpolitischen Definition von Ökonomie, wodurch die Arbeiter ausgezehrt und politisch geschwächt werden konnten. Die durch Archivrecherchen belegte Argumentation krankt laut Hühn ein bisschen daran, dass Mattei als Lösung nur die wenig realistische Option einer Abkehr vom Kapitalismus anzubieten hat. Einfach zu lesen ist das Buch auch nicht, wenn man kein Kenner der Materie ist, meint Hühn, trotzdem berge dieses Buch wichtige Erkenntnisse.

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