Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer

Sozialistische Cowboys

Der Wilde Westen Ostdeutschlands
Cover: Sozialistische Cowboys
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518125281
Broschiert, 200 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Mit Fotos, Dokumenten und Faksimiles. Um einen Raum zu imaginieren, in den bis heute Sehnsucht nach Freiheit projiziert wird, musste Karl May Radebeul nicht verlassen. Seine Erben konnten es nicht, also holten sie den Wilden Westen in die DDR. 1956 wurde der "Indianistikklub Old Manitou" gegründet, dem zahllose weitere folgten. Die Autoren erzählen unbekannte Alltagsgeschichte(n) aus dem "Reservat DDR": über Defa-Western und Dean Reed, sozialistische Cowboys, die sich als "Landarbeiterproletariat" inszenieren mussten, den Häuptling von Hoyerswerda und die Stasiakte "Tomahawk". Die historische Reportage begleitet die Protagonisten bis in eine Gegenwart, in der die amerikanische Geschichte eine ganz andere Bedeutung bekommt: "reenactment". In nachinszenierten Schlachten aus dem Bürgerkrieg übernehmen sie am liebsten die Rolle der Konföderierten und identifizieren sich mit dem Stolz der Verlierer.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Die Cowboys und Indianer waren los, in der DDR. Wie das kam, wie das aussah und wie das zuging, das schildert dieser Band. Begonnen hat es früh, bereits in den fünfziger Jahren, und zwar in Radebeul, wo auch Karl May Villa Shatterhand stand (und steht). Freunde des Indianischen trafen sich, kleideten sich in Kostümen und führten sie und sich vor im Dresdner Zoo. Sie gerieten unter Verdacht, weil das Treiben den Funktionären des Staates irgendwie amerikanisch vorkam. Anders wird es in den Sechzigern. Die Cowboys werden abgeschafft, als Indianer kann man sich nun guten Grunds antiimperialistisch und frühkommunistisch gerieren. Noch später wird Eskapismus daraus, heute führen die Ost-Indianer ein eher trauriges Nachleben. Der Rezensent Marcus Jauer gibt sich angesichts dieses Bands recht meinungsfrei, staunt aber einerseits und sieht andererseits in der vermeintlichen Skurrilität des Geschilderten durchaus "logisches Handeln in fremden Umständen".
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