Gibt es Kunst ohne Gewissen? Fritz J. Raddatz geht in elf fulminanten Essays dieser Frage auf den Grund. Dabei argumentiert Fritz J. Raddatz weder als Moralist, noch redet er der "engagierten Literatur" das Wort. Am Beispiel herausragender deutschsprachiger Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts beweist er vielmehr, wie sehr der Irrlauf des Gewissens Teil eines bedeutenden Werkes sein kann. Die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, die Zeit des Kalten Krieges mitsamt seinen ästhetischen und kulturpolitischen Verhärtungen sowie die Auswirkungen der Wiedervereinigung auf die ost- und westdeutsche Literaturszene bieten ihm dafür reiches Anschauungsmaterial.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2007
Überwiegend positiv betrachtet Rezensent Wolfgang Schneider diesen Band mit Essays von Fritz J. Raddatz. Dessen großes Thema, die Ost-West-Konfrontation, scheint ihm hier in wesentlich "konzentrierterer, unverkrampfterer Form" behandelt als in Raddatz' Romanen. Er erfährt eine Menge über die ideologische Verbohrtheit in BRD und DDR im beginnenden Kalten Krieg, über Nazi-Kontinuitäten in beiden Teilen Deutschlands und den schändlichen Umgang mit Emigranten. Insgesamt hat Schneider die Essays mit Gewinn gelesen. Vor allem hebt er den Aufsatz über Thomas Mann hervor, dessen Porträt "Züge einer Selbstbespiegelung" aufweist. Verzichtbar scheint ihm indes der Ton der Anklage, den Raddatz pflegt. Zudem weist er auf kleinere Fehler hin, die er allerdings nicht überbewerten möchte, etwa wenn der Autor ein Novalis-Wort E.T.A. Hoffmann zuschreibt.
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