Täter, Opfer und die schweigende Mehrheit Wenn Menschen in Gruppen agieren, Zeit verbringen, miteinander tun müssen, entstehen schnell soziale Schichtungen: Da gibt es etwa jene, die den Ton angeben und die Richtung weisen. Oder jene, die im Schatten solcher an Aufmerksamkeit gewinnen können. Es gibt die lauten Polterer und die stillen Strategen. Es gibt die schweigenden Beobachter oder auch jene, die sich aus allem raushalten. Und es gibt die Fußabstreifer, die Zielscheiben - an denen abgearbeitet wird, woran es an anderen Stellen mangelt. Genau diese Gruppierungen lassen sich auch in der Klassengemeinschaft einer Privatschule finden - Abbild der Gesellschaft im Kleinen, sozusagen. Hier sind es "die schrecklichen Vier": großteils Kinder reicher Eltern, gewohnt, die Zügel in der Hand zu halten, "oben" zu sein, die dafür nötige Gefühlskälte an den Tag zu legen. Und sie haben ein klares Opfer: Nils. Und da gibt es auch noch Sara, die dazwischen steht, sich selbst retten will und daher schweigt, als sie eigentlich reden sollte. Wer trägt welche Verantwortung? Wo hört Selbstschutz auf, wo fängt Zivilcourage an?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.07.2020
Rezensent Fritz Göttler scheint angetan von Gabi Kreslehners Geschichte über Ausgrenzung, Verdrängung und Trotz in einer österreichischen Gemeinde. Wie der Außenseiter Nils sich gegen Mobbing in der Klasse wehrt und wie er schließlich kapitulieren muss, erzählt ihm die Autorin mit Sinn für soziale Unterschiede, nuancenreich und bisweilen "gespenstisch", da es zur Eskalation kommt und zur Befragung der Zeugen, zu Widerständen unter den Beteiligten und zum Verschweigen des Geschehens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2020
Für Eva-Mari Magel stecken im Buch der Lehrerin Gabi Kreslehner zum Thema Mobbing in der Schule allerhand brennende Fragen. Dafür dass empathische Leser sie sich stellen, sorgen laut Magel eine klug erzählte Geschichte, eine schlichte Handlung, in der ein einsamer Junge Opfer einer starken, von der schweigenden Mehrheit gestützten Clique wird, sowie eine Sprache und Struktur, die den Leser zum Nachdenken anregen. Dass die Autorin Befragungsprotokolle und erzählende Passagen mischt, gefällt Magel ebenso wie der engagierte Blick aufs Thema, der sich nicht mit Unerklärlichkeiten zufriedengibt, sondern nachhakt und die Motivation der Täter und das Verhalten der Lehrer durchaus kritisch erkundet.
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