Carl Schmitt (1888-1985), der "Kronjurist" des Weimarer Präsidialsystems und des Nationalsozialismus, wird heute als "global player" und Meisterdenker - wie Hegel, Weber oder Foucault - weltweit extensiv und intensiv diskutiert. Sein Bild hat sich dabei seit seinem Tod durch die Erschließung des Nachlasses und zahlreiche Quelleneditionen erheblich gewandelt.
Reinhard Mehring hat mehrere Bücher zu Schmitt verfasst und die Entwicklung der Debatten in dreißig Jahren kritisch beobachtet. Im Spiegel ausgewählter, wörtlich belassener Rezensionen, Artikel und Sammelbesprechungen macht er die rasante Dynamik, den Wandel und die Geschichtlichkeit von Forschung in prägnanter Linienführung einsichtig. Dabei konstatiert er einen Forschungstrend, der von der dogmatischen Erschließung der Schriften über die editorische Erschließung privater Quellen (Briefe, Tagebücher) zur historisch-biographischen Erfassung des politischen Akteurs führte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.02.2019
Nach wie vor unbegreiflich ist es für Rolf Lamprecht, dass der Jurist Carl Schmitt, der sich in der NS-Zeit so gründlich nicht nur politisch, sondern auch juristisch disqualifiziert hat, im Nachkriegsdeutschland wissenschaftlich rehabilitiert und eine feste Bezugsgröße für nachkommende Wissenschaftler werden konnte. Der Band "Vom Umgang mit Carl Schmitt" des Heidelberger Politikwissenschaftlers und Schmitt-Spezialisten Reinhard Mehring geht dieser Frage nach und zeichnet ausführlich Schmitts Verfehlungen im Dritten Reich nach, so der Rezensent. Da ist natürlich der unverhohlene Antisemitismus Schmitts, der sich etwa in seinem Denunziantentum gegenüber jüdischen Kollegen oder seinem Aufruf zur "Säuberung der Bibliotheken" von jüdischen Autoren offenbart, aber auch schierer juristischer "Schwachsinn" wie Schmitts Apologetik von Hitlers Massenmord an den angeblichen Röhm-Putschisten oder die Außerkraftsetzung der Weimarer Verfassung, fasst Lamprecht zusammen. Der Rezensent zollt Mehring Respekt für seine "Sisyphusarbeit" und stellt befriedigt fest, dass die Schmitt-Bewunderung unter jüngeren Wissenschaftlern auszusterben scheint.
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