Die politisch-theologischen Antipoden Franz Kafka (1883-1924) und Carl Schmitt (1888-1985) hatten sachlich einiges gemeinsam: Sie waren beide Juristen und Avantgardisten; sie kritisierten den rechtspositivistischen Anstaltsstaat, personalisierten und dämonisierten die bürokratische Herrschaft. Darum spiegelte Schmitt seine Justizerfahrung nach 1945 auch in Kafka-Notaten und betrachtete die Bundesrepublik als "Kafkanien". Reinhard Mehring erörtert irritierende Nähen in der dystopischen Wahrnehmung des modernen Staates als Baustein zur politischen Wirkungsgeschichte Kafkas und zur Verdeutlichung der Rechtsskepsis von Schmitts Spätwerk.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2022
Rezensent Horst Dreier liest den Essay des Carl-Schmitt-Kenners Reinhard Mehring mit Interesse. Das Unzusammenhängende der Kapitel scheint ihm der Form geschuldet, der Leser solle lieber nicht nach einer durchgängigen Argumentationslinie Ausschau halten, rät Dreier. Dann aber bietet der Text, abgesehen noch von einigen auf den Rezensenten erzwungen wirkenden Parallelisierungen Kafkas und Schmitts (siehe Buchtitel), durchaus Anregendes, findet Dreier. So etwa "kenntnisreiche Exkursionen" in das Werk Schmitts oder eine Skizze zu Hannah Arendts Kafka-Lektüre.
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