Abschied ist immer und überall. Jeden Abend nehmen wir Abschied vom Tag. Jeden Morgen verabschieden wir uns von der Nacht. Wir nehmen Abschied von Jobs, Jahreszeiten, Wohnungen, Träumen, Städten, von der Jugend, der Kraft, der Zeit, von unberührter Natur, von früheren Ichs unserer selbst. Kinder gehen in die Welt, Eltern in den Tod, Liebhaber zur nächsten Frau oder zum nächsten Mann. Dem endgültigen Abschied entrinnt ohnehin keiner. "Manchmal übe ich sterben", schreibt die Autorin. Und nun nehmen wir auch noch Abschied von der Friedensgewissheit und von der Gewissheit der liberalen Demokratie. Abschiede sind unsere täglichen Lebensgefährten und Lehrmeister. Aber Abschied ist nicht nur Verlust und Traurigkeit, Abschied ist auch befreiend. Viel zu oft vergessen wir den Aufbruch im Abschied. Übersehen die Freiheit der Ungewissheit. In ihrem Tagebuch erzählt Gabriele von Arnim ein Jahr lang über Abschiede, über Gegenwartsängste und das Ringen um Zukunftszuversicht, über Abschiede von früheren Ich-Gestalten, über Lebenslust und über die Unausweichlichkeit des letzten Abschieds.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.05.2026
Zugewandt bespricht Rezensentin Julia Rothhaas Gabriele von Arnims neues Buch. Ums Abschiednehmen dreht es sich, die Form, die Arnim wählt, ist die des Tagebuchs, enthalten sind Notizen, die zwischen November 2024 und November 2025 entstanden sind. Die Wiederwahl Trumps ist ein wichtiges Thema im Buch, allgemein die desolate politische Lage, die von Krisen und einem Erstarken der Rechten geprägt ist, aber auch private Themen kommen vor, das Altern, Veränderungen in der städtischen Umgebung. Arnim ist es freilich wichtig, Abschied nicht nur als etwas Negatives zu beschreiben, vielmehr geht es auch um ein Gefühl der Befreiung, des Neuanfangs. Wenn Arnim dafür plädiert, angesichts einer schlimmen Weltlage "Trost im Kleinen" zu suchen, findet die Rezensentin das keineswegs banal. Rothhaas geht es im Buch ein wenig zu viel um Trump - insgesamt jedoch bespricht sie Arnims Buch dezidiert freundlich.
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