Photomechanischer Nachdruck der Zeitschrift. Herausgegeben von Otto Jägersberg. Nachdruck der Ausgaben von 1925-1927.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2002
Ein Logbuch der Lehranalysen des Psychoanalytikers Georg Groddeck entdeckt Alexander Honold in diesem Reprint. Die von Groddeck von 1925-1927 herausgegebene "Arche", "mit ihren scheibchenweise portionierten Fallgeschichten" macht, schreibt Honold, "die längst als historisch abgeheftete Gründerzeit der Psychoanalyse wieder zu einem work in progress". Dies geschehe anhand von methodischen Problemen, die der Herausgeber erörtere, und von Patientenplaudereien über Libidinöses oder Hasserfülltes, Trauminhalte oder handfeste organische Leiden. Dass sich die "Arche" dabei etwas sektiererisch ausnimmt (hier der Meister, dort die Schäfchen), hat nach Ansicht des Rezensenten den Vorteil, dass der Leser Einblick bekommt in die "Dynamik der Gruppen- und Schulbildung". Richtig öde findet Honold die Reflexhaftigkeit und Vorhersehbarkeit der Groddeckschen Deutungsvorschläge (Verstopfung als Anzeichen für stockende Geschäfte!); das Charisma suggestiver Gesprächsführung kann die Schriftform nicht vermitteln, meint er. Allerdings sind Thesen wie jene vom Zeichen "embryonaler Hilfsbedürftigkeit" bei einem, der im Krieg Arm oder Bein verlor ja schon wieder drollig. Und wenn Groddeck gesellschaftskritisch und politisch wird und den "Erbfeind" Frankreich beschimpft, für die Entskandalisierung der Homosexualität eintritt oder die antifamiliären Tendenzen der christlichen Botschaft lobt, dann immerhin zeigt sich für den Rezensenten der "moderne Schamane, der sich kokett der 'wilden Psychoanalyse' zurechnete".
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