Wolfgang Welsch beschreibt die Strukturen des Ministeriums für Staatssicherheit sowie seiner Auslands-Spionage-Abteilung und geht dabei auf die Mittel und Methoden der Stasi ein, die bis hin zu Entführungen und Mordaufträgen reichten. Im Zentrum seines neuen Buches jedoch steht der Widerstand gegen die SED-Diktatur. Flucht, Fluchthilfe und Ausreise sind für ihn originäre Widerstandshandlungen, wohingegen der Autor der Bürgerrechtsbewegung widerständiges Verhalten weitgehend abspricht. Weder die Kirchen noch die verschiedenen dissidenten Bewegungen leisteten per se Widerstand, sondern neigten dazu, das sozialistische System nur reformieren zu wollen. In den Medien, in der Literatur und in der Forschung werden diese Vorgänge teilweise schief und undifferenziert dargestellt, beklagt der Autor. Die gängige Aufarbeitung der SED-Diktatur sei insofern gescheitert, als den SED- und MfS-Opfern nicht Gerechtigkeit in Form einer angemessenen Restitution gewährt wird. Dagegen sind die Täter ungeschoren davongekommen, belastende Akten wurden ungestraft vernichtet. Die Bundesrepublik Deutschland hat es bis heute versäumt, ihr damaliges Versagen gegenüber der Gewaltherrschaft einzugestehen; die Gerechtigkeit ist auf der Strecke geblieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2021
Die hier rezensierende Historikerin Daniela Münkel bedauert, dass der SED-Gegner Wolfgang Welsch in seinem Buch über den Widerstand in der SED-Diktatur die eigene Zeitzeugenschaft und das eigene Engagement mit Wissenschaftlichkeit verwechselt. Als politischer "Rundumschlag" eines Betroffenen wäre das Buch Münkel passabel erschienen, der wissenschaftliche Anspruch aber macht daraus für sie ein Ärgernis, weil der Autor seine Distanzlosigkeit nicht reflektiert, das Buch historische und sachliche Fehler enthält, Fehlinterpretationen, Vermutungen (über SED-Seilschaften in der BRD etwa) und Diffamierungen. Dass für den Autor der Widerstand gegen die SED das Nonplusultra ist, und alles andere verdammenswert, ist eine persönliche Meinung, kein Fakt, stellt Münkel fest.
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