Das Britische Empire umfaßte im Zenit seiner Macht etwa ein Viertel der Erdoberfläche. Die Britische Navy durchpflügte Ende des 19. Jahrhunderts die Ozeane, als handele es sich bei ihnen um Binnenseen des Vereinigten Königreiches. Im Schatten der Pax Britannica verdichteten sich Kommunikationsstrukturen, die man heute mit dem Begriff Globalisierung charakterisiert. Kurzum: Das britische Weltreich hat untilgbare Spuren hinterlassen. Dennoch vollzog sich der Prozeß der Dekolonisation nach 1945 aus britischer Perspektive nicht nur vergleichsweise schnell, sondern auch erstaunlich geräuschlos. Die in jüngster Zeit von inner- wie außerwissenschaftlichen Impulsen neu angeregte Empire-Forschung hat jedoch Zweifel an der Version eines "disimperialism" ohne Trauma oder Tränen angemeldet. Allerdings fehlten bislang empirisch fundierte Untersuchungen zur inneren Dekolonisation Großbritanniens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2006
Instruktiv findet Rezensent Gottfried Niedhart diese "eindringliche Darstellung" der "inneren Dekolonisation Großbritanniens", die Gerhard Altmann verfasst hat. Wie er hervorhebt, steht für den Autor nicht der faktische Ablauf des in den wichtigsten Etappen nachgezeichneten Abschieds von den englischen Kolonien im Vordergrund, sondern die Wahrnehmung der Lösung vom Empiregedanken in den innerbritischen Debatten. Daher erscheint Niedhart die Darstellung streckenweise wie eine Strukturanalyse Großbritanniens nach 1945. Detailliert schildert er den Prozess des Abschiednehmens, der zu einer zunehmenden Distanz der Briten zum imperialen Erbe und schließlich zur Unabhängigkeit der früheren Kolonien sowie Großbritanniens selbst führte. "Das Ende ihres Weltreichs nahmen die meisten Briten hin", fasst Niedhart das Werk zusammen, "weil es an imperialem Interesse mangelte".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.10.2005
Großbritannien sei zwar schon lange kein Empire mehr, aber wie der Prozess der Dekolonisierung nun genau vonstatten gegangen ist, sei bis heute nicht geklärt, erklärt Rezensent Andreas Eckert. Im Gegensatz zur bisherigen Annahme eines "stillen" Entscheidungsprozesses der Regierungen orientiere sich der Autor mit seiner "gewandt formulierten und materialreichen" Studie an neueren Ansätzen, die die öffentliche Debatte in den Medien und im Parlament nach 1945 als äußerst relevant einstufen. Der Autor untersuche die Argumentationsmuster in den wichtigsten Zeitungen und ergänzend in Parlamentsprotokollen und Regierungsdokumenten. Eine der für den Rezensenten interessantesten "Denkfiguren" ist dabei eine moralische Erklärungsstrategie, die die Dekolonisierung als Konsequenz der britischen "Freiheitsliebe stilisiere". In den sechziger Jahren sei die Einwanderungsfrage für Commonwealth-Bürger aber sehr schnell zur Nagelprobe für die gelobte eigene Freiheitsliebe und die von der Presse anfänglich befürwortete Einwanderung geworden. Die negative Reaktion der Bürger auf eine zunehmende Immigration habe dem Autor zufolge rasch zu einer immigrationsfeindlichen Politik geführt. Eine Konstellation, so der Rezensent, die bis heute andauere.
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