Amitav Ghosh

Rauch und Asche

Die geheime Geschichte des Opiums
Cover: Rauch und Asche
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751820561
Gebunden, 432 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heide Lutosch. In einer Mischung aus Reisebericht, Memoir und historischem Essay zeichnet der indische Autor die Anfänge des weltweiten Opiumhandels ab dem 19. Jahrhundert nach und macht deutlich, dass dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen: von den mächtigsten Familien und prestigeträchtigsten Institutionen, deren Reichtum sich den Einnahmen aus dem Opiumgeschäft verdankt, bis hin zur amerikanischen Opioid-Epidemie und dem Oxycontin-Skandal. Während der jahrzehntelangen Archivrecherche für seine Ibis-Romantrilogie stellte Amitav Ghosh mit Erstaunen fest, dass die Lebenswege und Handelsrouten zahlreicher Menschen, auch seiner eigenen Vorfahren, im 19. Jahrhundert mit einer einzigen Pflanze verwoben waren: der Mohnblume. Das Britische Weltreich sicherte sich durch ihren Anbau in den indischen Kolonien die Handelsfähigkeit mit China, indische Bauern wurden über Jahrhunderte hinweg in prekärer Abhängigkeit gehalten, und die chinesische Bevölkerung wurde von einer unaufhaltsamen Drogenepidemie überspült. Währenddessen hofften internationale Handelsleute stets auf Reichtum durch die Beteiligung am Opiumhandel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.07.2025

Ein gut lesbares, berührendes, aber nicht immer schlüssiges Buch hat Amitav Ghosh über die kolonialen Dimensionen des Opiumhandels geschrieben, meint Rezensent Thomas E. Schmidt. Ghosh, der zum Thema auch bereits eine Romantrilogie vorgelegt hat, schreibt die Geschichte des Opiumhandels als eine koloniale Schuldgeschichte: Eindrücklich findet Schmidt vor allem jene Passagen, die zeigen, wie Großbritannien China auch mithilfe zweier Kriege zwingt, die Droge ins Land zu lassen und wie gleichzeitig indische Bauern den Rohstoff anbauen müssen. Außerdem zeigt Ghosh laut Schmidt auf, dass die USA ebenfalls von diesen Handelsströmen profitierte, was in seinen Augen dazu führt, dass sie nun selbst von einer Opioidkrise betroffen ist. Das ist der Punkt, ab dem Schmidt nicht mehr so recht mitgehen will: Für Ghosh hat das Opium Subjektstatus und es sorgt in gewisser Weise für historische Gerechtigkeit, wenn es nun auch Nordamerika heimsucht. Letzten Endes sei das eine Glaubensfrage, beziehungsweise ein zyklisches Weltbild, das Ghosh hier bediene, so der Kritiker. Auch allgemein stört ihn die postkoloniale Empörung des Buches, insgesamt aber liest er Ghoshs Ausführungen mit Gewinn.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2025

Viel erfährt Rezensent Andreas Fahrmeir aus diesem Buch über die Geschichte des Schlafmohns, aus dem Opium gewonnen wird. Amitav Ghosh, der dem Thema bereits eine Romantrilogie gewidmet hat, hat diesmal laut Fahrmeir "eine Art Sachbuch" geschrieben, dessen Thema ist vor allem der Opiumhandel der europäischen Kolonialmächte, die in den indischen Anbaugebieten die Bevölkerung und die Böden ausbeuteten und den Zugang zum zunächst verschlossenen chinesischen Markt mit Gewalt erzwangen. Der Autor berichtet von Recherchereisen und stellt unter anderem verschiedene Modelle des Schlafmohnanbaus in Indien vor, die mal nur den Kolonisatoren, mal auch indischen Firmen nützten, auch die technischen Innovationen von amerikanischen Opiumproduzenten spielen eine Rolle. Schließlich ziehe Ghosh noch Parallelen zur gegenwärtigen Opioidkrise in den USA und frage, ob heute ähnliche Mechanismen wie damals - historisch gegründet auf Kolonialismus und Rassismus - am Werk sind. Fahrmeir verzichtet in seiner Rezension auf explizite Werturteile, aber er scheint Ghoshs Studie mit Gewinn gelesen zu haben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.03.2025

Rezensentin Susanne Billig liest gebannt das Sachbuch über den Opiumhandel im 19. Jahrhundert, das Amitav Gosh vorlegt. Mit Abstechern in seine Familiengeschichte erzählt der Autor darin laut Billig "versiert" von den kriminellen Machenschaften der British East India Company, die China mit Opium flutete. Vor allem eher verborgene Aspekte dieser Geschichte kommen im Buch ans Licht, meint sie. So die Versuche der Briten, ihre Beteiligung am Drogenhandel zu verschleiern. Gut gefällt der Rezensentin, dass der Autor Parallelen zur modernen Opioid-Krise in den USA zieht. Dass der Band hoffnungsvoll endet, ist für Billig umso erstaunlicher.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025

Man lernt unsere Welt besser kennen durch dieses Buch, das sich einem vermeintlichen welthistorischen Nebenthema widmet, findet Rezensent David Pfeifer. Amitav Ghosh erzählt hier die Geschichte des Opiumhandels und zeichnet dabei nach, wie Großbritannien einerseits China in zwei Kriegen das Opium aufzwang, gegen dessen Import sich die chinesische Führung sperrte, während andererseits die britische Kolonie Indien zum wichtigsten Anbaugebiet des Schlafmohns wurde, was die indische Gesellschaft bis heute stark beeinflusst, lernt der Kritiker. Instruktiv findet er, wie Ghosh Linien in die Gegenwart zieht, zur Opioid-Krise in den USA, die von der Sackler-Familie befeuert wurde, und dabei betont, dass die meisten Institutionen der USA mit Spendengeldern errichtet wurden, die dem Opiumhandel zu verdanken waren. Das ist alles aufschlussreich, meint der Rezensent, einzig die Tatsache, dass im Buch immer wieder auf eine Romantrilogie Ghoshs verwiesen wird, trübt den Lesespaß für diejenigen, die diese Trilogie nicht kennen. Aber das ist im Kontext einer ansonsten positiven Kritik ein kleiner Makel.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.03.2025

Fasziniert zeichnet Jan Küveler die Rechercheergebnisse des Romanciers Amitav Ghosh nach: Immer wieder war Ghosh in seinen Roman über das britische Empire auf Biografien gestoßen, die mit dem Opium verknüpft waren: Wussten Sie, dass der Vater von George Orwell Opiumhändler war? Die Streitfrage, ob der Kolonialismus für Großbritannien ein Zuschussgeschäft war, ist für Küveler nach dieser Lektüre geklärt: Allein schon aus dem Zoll auf chinesischen Tee hatte das Königreich zehn Prozent seiner Staatseinnahmen erzielt, referiert Küveler. Und mit dem Opium machten die Briten das ganze chinesische Riesenreich süchtig und sahnten ab, bis es kollabierte. Ein unerschlossenes Kapitel der Kolonialgeschichte. Küveler sagt nicht viel zu dem Buch. Aber er scheint eine Menge draus gelernt zu haben.

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