Gerhard Johannes Rekel

Lina Morgenstern

Die Geschichte einer Rebellin
Cover: Lina Morgenstern
Kremayr und Scheriau Verlag, Wien 2025
ISBN 9783218014670
Gebunden, 264 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

1866. Preußisch-Österreichischer Krieg. Mittendrin, in Berlin, Lina Morgenstern (1830-1909). Viele Soldaten kommen verletzt aus dem Krieg, der Staat kümmert sich nicht. Spontan gründet Lina Lazarette und Volksküchen - und rettet damit tausende Soldaten. Freund und Feind. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratet sie Theodor. Eine Liebesgeschichte mit vertauschten Rollen: Als ihr Mann in die Pleite schlittert und die Familie mit fünf Kindern plötzlich brotlos dasteht, schreibt Lina in wenigen Wochen einen Bestseller, zehn weitere folgen. Hinter der Maske von Linas quirligem Humor verbirgt sich die nervöse Unrast einer leidenschaftlichen Unternehmerin: Mit heißem Herzen und kühlem Verstand initiiert sie zahlreiche Wohlfahrtsvereine, die erste seriöse Frauenzeitung und den ersten "Internationalen Frauenkongress" auf deutschem Boden. Bis heute gilt sie als eine der wichtigsten Sozialreformerinnen und maßgebliche Begründerin der ersten Frauen- und Friedensbewegung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.06.2025

In die "fesselnde Biografie einer faszinierenden Frau" kann sich Rezensentin Victoria Eglau dank Gerhard J. Rekel vertiefen. Dieser nimmt sich die Geschichte der Sozialreformerin Lina Morgenstern vor, Gründerin der "Berliner Volksküchen" und Autorin zahlreicher Lehr- und Kinderbücher, Ratgeber und Frauenbiografien. 1830 in Breslau in eine deutsch-jüdische Familie geboren, engagierte sie sich schon im Kindesalter für sozial Benachteiligte, erklärt die Kritikerin. Später zog sie mit ihrem Mann nach Berlin und gründete während des preußisch-österreichischen Krieges die Berliner Volksküchen, eine "große Kochanstalt nicht als Almosen-Einrichtung, sondern als soziale Wohltat", zitiert die Kritikerin aus dem Buch. Rekel stützt sich auf viele unterschiedliche Quellen, wenn er erzählt, wie "Suppen-Lina" mit ihrer Idee Erfolg und Ansehen, aber auch Verunglimpfungen und vor allem antisemitischen Hass erntete. Auch ihre "Deutsche Hausfrauen-Zeitung" wurde Opfer des grassierenden Antisemitismus, verbuchte aber nichtsdestotrotz einen großen Erfolg, so die Kritikerin. Morgenstern warb darin für progressive Werte wie das Wahlrecht für Frauen und setzte sich für Empanzipation ein, eine Entwicklung, die quasi "gekrönt" wurde, wie Eglau schreibt, vom internationalen Frauenkongress 1896 im Berliner Rathaus, den Morgenstern organisierte. Daher kann die Kritikerin hier nicht nur über eine mutige, engagierte Frau lesen, sondern auch wichtige Episoden der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert nachvollziehen. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2025

Das "lebhafte Porträt" einer "kleinen Frau mit runder Brille", die zur Galionsfigur der "bürgerlichen Frauenbewegung" wurde, kann Rezensentin Susan Vahabzadeh in der Biografie von Gerhard J. Rekel über Lina Morgenstern lesen. Viel weniger bekannt ist Morgenstern als ihre Kollegin Louise Otto-Peters, die die "Frauen-Zeitung" ein Jahr nach der Revolution von 1848 gründete und wenig später mit einem Berufsverbot durch das Sächsische Königreich belegt wurde. Morgensterns 1974 erstmals erschienene "Hausfrauen-Zeitung" war zwar viel "gemäßigter" im Ton, so die Kritikerin, bedeutete aber nichtsdestotrotz einen wichtigen feministischen Schritt, der von der männlich geprägten Zeitungswelt natürlich mit Hohn und Spott bedacht wurde - dessen Erfolg aber für sich sprach. Es ging um richtige Ernährung, medizinische Mythen, weibliche Gesundheit, lesen wir, aber auch zum Beispiel um "Lebensmittelsicherheit", denn Morgenstern klärte über die Tücken der Lebensmittelindustrie, wie zum Beispiel gestreckte Milch auf. Aber Morgenstern war nicht nur hier eine Vorreiterin, auch beim Thema Wohlfahrt und Kindererziehung setzte sie neue Standards, zum Beispiel durch die Gründung der Berliner Volksküchen, obwohl sie sich Zeit ihres Lebens nicht nur gegen die Misogynie ihrer Zeitgenossen, sondern auch deren Antisemitismus zur Wehr setzen musste. Sozialistische Revolutionärinnen wie Clara Zetkin konnten mit der bürgerlichen Frauenbewegung wenig anfangen, erzählt die Kritikerin, sie glaubten daran, dass der Kapitalismus auch an der Misere der Frau die Hauptschuld trug. Vahabzadeh scheint diese Biografie jedenfalls mit großem Interesse gelesen zu haben, und hat auch direkt durch ein paar Ausgaben in den Archiven der Bayerischen Staatsbibliothek geblättert.

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