Aus dem Russischen von Franziska Zwerg. Wenn du Tschetschene bist, mußt du deinem Feind eine Unterkunft für die Nacht anbieten, du mußt für die Ehre eines Mädchens sterben, du darfst nicht weglaufen, auch wenn du tausend Gegnern gegenüberstehst. Und du darfst niemals weinen, außer wenn deine Mutter stirbt. Doch wenn du in Rußland keinen Wohnsitz anmelden kannst, ständig als "Schwarzarsch" beleidigt und als Terrorist verdächtigt wirst, nur weil du in Tschetschenien geboren bist, dann weißt du: Auch wenn es schwer ist, Tschetschene zu sein, ist es doch unmöglich, kein Tschetschene zu sein. Sadulajews Roman ist der erste literarische Versuch, die tschetschenische Tragödie aus dem Inneren heraus zu begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2009
Berührt zeigt sich Rezensentin Birgit Veit von German Sadulajews Buch "Ich bin Tschetschene", einem "epischen Klagegesang". Sie schwärmt von den lyrischen Naturschilderungen des Autors, um die herum er Geschichte und Mythologie Tschetscheniens entfaltet. Dabei hebt sie hervor, dass Sadulajew nicht chronologisch vorgeht, sondern den Selbstbehauptungswillen der Tschetschenen und die überlegene russische Waffentechnologie aufeinanderprallen lässt. Nicht verschweigen will sie, dass das Buch naturgemäß sehr einseitig daherkommt, wenn es die Tschetschenen als unbeugsame Helden zeigt, die der russischen Übermacht ausgeliefert sind. Veit hätte sich allerdings vom Verlag einen Kommentar mit einer objektiveren Einordnung der subjektiven Sicht des Autors gewünscht. Ihr Fazit: "ein schönes und ein schreckliches Buch".
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