Die Geschichte der mittelalterlichen Klöster und Orden bildet ein Geflecht aus Neugründungen, Abspaltungen, Niedergängen und Reformen. Gert Melville folgt von der ausgehenden Antike bis zum Beginn der Neuzeit den Gründen und Antrieben für diese Entwicklungen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Benediktinern, den eremitischen Bewegungen des 11. und 12. Jahrhunderts, den Regularkanonikern, den Zisterziensern und den Bettelorden. Darüber hinaus beschreibt er die wichtigsten Strukturelemente des klösterlichen Lebens wie Recht und Organisation, Bildung und Spiritualität, die Regelung des Alltags sowie die wirtschaftlichen Grundlagen und macht deutlich, inwiefern die klösterliche Welt Antrieb der kulturellen Entwicklung, in vielem aber auch ein Fluchtweg zur individuellen Perfektion war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2012
Die ganz eigenen Wonnen der Asketen kommen dem Rezensenten der Studie von Gert Melville ein wenig zu kurz in diesem Buch. Wenn Melville die Entwicklung der Klöster anhand bekannter mittelalterlicher und spätantiker Quellen "solide" darstellt, die Unterschiede der Orden, die vielen Reformen und verschiedenen Ansätze, auch anhand einzelner Biografien, wird Erwin Seitz zwar durchaus vertraut mit Figuren und Regeln, vermisst aber dennoch die umfassende Erörterung, die Vorgeschichte der christlichen Asketen inklusive. Auch wäre ihm der Band interessanter erschienen, hätte der Autor den vielen Nonnen und Mönchen in ihren Klosterzellen eine Stimme gegeben, auch wenn sie nicht zu den Gründerfiguren gehörten. Vor allem aber scheint Seitz die spirituelle Seite des Ganzen hier zu kurz zu kommen: das Durchbrechen der Endlichkeit zugunsten einer ganz neuen, feinen Reizbarkeit.
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