Aus dem Englischen von Gabriela Hegedus. Im Jahr 2052 macht Dr. Friedrich Sharavi, Leiter des Deutschen Instituts zur Dokumentation Zions, ein aufregendes Textkonvolut der Öffentlichkeit zugänglich: die Erinnerungen eines gewissen Professor Gunther Wanker, der 1962 im israelischen Ramat Gan geboren wurde - also in einem Staat, den es 2052 schon nicht mehr gibt. Wankers Erinnerungen sind für Sharavi nicht nur ein wertvolles Zeitdokument, sondern auch das Vermächtnis einer wichtigen mahnenden Stimme während der letzten Jahre vor dem Untergang des Staates Israel und vor dessen möglicher Erneuerung.
Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Marco Stahlhut von diesem "Schelmenroman" des israelischen Schriftsteller Gilad Atzmon. Zwar findet er das Buch anfänglich noch ganz lustig, etwa wenn Atzmon seinen Protagonisten, Gunther Wanker, der in die israelische Armee eingezogen wurde, sich bei einem Angriff ins Bein schießen lässt. Doch wird das Buch seines Erachtens ziemlich unoriginell, wenn Wanker nach Deutschland ins Exil geht, um sich dort der "Peepologie" zu widmen, einer Wissenschaft, die die Peep-Show-Erfahrung auf die Gesamtgesellschaft herunterbreche. Stahlhut sieht darin nicht viel mehr als einen "müden Aufguss von Houellebecq, Baudrillard und Foucault". Insbesondere Houellebecq habe für die literarische Rezeptur Pate gestanden: die originell gestörte Sexualität des Protagonisten, dessen übliche Ressentiments gegen Ausländer, Semiten, Schwule und Frauen, dazu einige Generalthesen zur Weltlage und Geistesgeschichte. Fazit des Rezensenten: Der Roman lehre den Leser weniger das Zweifeln als das Abc der literarischen Provokationsstrategie, an der deutsch-jüdischen Geschichte und dem israelisch-palästinensischen Konflikt pralle er jedoch ab.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.03.2004
Mit dieser "bös-polemischen Satire" hat sich Florian Welle von Gilad Atzmon in die Zukunft Israels entführen lassen. Dessen Debütroman versetzt den Leser ins Jahr 2052 und erzählt anhand der Memoiren des Israelkritikers Gunther Wanker vom vierzig Jahre zurückliegenden Zusammenbruch des Staates Israels, berichtet der Rezensent. Der Jazzsaxofonist Atzmon, der nach Informationen des Rezensenten im Libanonkrieg zum "radikalen" Antizionisten wurde, schreibe in einer derben Sprache, voll beißendem Spott gegen die derzeitige politische Haltung Israels, so Welle. Doch keineswegs ginge der Roman in dieser Kritik auf, versichert der Rezensent, vielmehr gelinge dem Autor mit seinem Helden Wanker das Porträt eines "Getriebenen", hinter dessen "grobschlächtigem Reden" sich "Leere, Selbsthass und Existenzschmerz" verbirgt.
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