Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling. Frauen aus dem Katalog. Man kann sie bestellen, ausprobieren, umtauschen, alles ganz offiziell. Das Dienstmädchen, die Pflegekraft, eine Fremde. Was geschieht, wenn eine Fremde in die Familie kommt? In ihrem neuen Buch kreist die Autorin, literarisch und psychologisch gleichermaßen differenziert, um ein nicht nur in Israel weit verbreitetes Phänomen. Junge, unerfahrene Frauen aus dem Ausland, meist anpassungsfähig und opferbereit, kommen in Familien, um dort zu arbeiten. Doch ihre eigentliche, unausgesprochene Rolle ist die, den Katalysator für die vielfach verzahnten Familienkonflikte zu spielen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2003
Nicht die Charakterdarstellung und psychologische Ausleuchtung ihrer Figuren steht bei Savyon Liebrecht im Mittelpunkt, sondern die pure Handlung, die farbigen Charaktere ihrer drei Novellen, behauptet Stefana Sabin. Drei Frauenschicksale schildere Liebrecht: eine Anwältin, die familiäre Spannungen und beruflichen Stress zu bewältigen lernt; eine Krankenschwester, die um ihren ermordeten Sohn trauert und Trost in einer Beziehung zu dessen Freundin sucht; eine alte Immigrantin, die ihre Pflegerin zur Ersatztochter erklärt. Praktische Lebenshilfe, die schlicht und schnörkellos erzählt wird, "ohne psychologisches Raffinement", meint die Rezensentin. Was die Figuren empfänden, drückten sie auch durch ihr Verhalten aus, ihr Verhalten erkläre sich wiederum nur durch die Handlung, charakterisiert Sabin Liebrechts Schreibweise, ohne zu sagen, ob ihr diese gefällt oder nicht. Drei exemplarische Frauenschicksale, die Rückschlüsse auf die israelische Gesellschaft von heute zulassen, äußert Sabin.
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