Aus dem Schwedischen von Jörg Scherzer. Zwölf Jahre alt war Göran Rosenberg, als sein Vater sich das Leben nahm. Nun, fünf Jahrzehnte später, zeichnet der Sohn das Leben des ihm beinah Unbekannten nach wie in einem literarischen Phantombild - erstellt aus Erinnerungen und so kargen wie bedeutsamen Spuren. Rosenberg wurde 1948 in der schwedischen Kleinstadt Södertälje geboren. Eine fast normale Kindheit - bis er langsam verstand, dass seine Eltern anders, jüdisch, waren, dass sie Auschwitz überlebt hatten, bevor sie eine neue Existenz aufbauten, die sein Vater nicht lange ertrug. Dieses hoffnungslos gerettete Leben versucht Rosenberg zu begreifen: Er vollzieht den Weg seines Vaters nach, besucht Gedächtnisorte und vergessene Leidensstationen, das ehemalige Ghetto von Lódz, das Arbeitslager der Firma Büssing bei Braunschweig, Auschwitz.
Göran Rosenbergs Buch über die Geschichte seines Vaters hat Katharina Granzin sichtlich beeindruckt. Die Annäherung des 1948 geborenen schwedischen Autors an seinen Vater, der Auschwitz überlebte, aber 15 Jahre später Suizid beging, liest sie als eine aufmerksame Spurensuche, bei der die Erinnerung durch akribische Recherchen ergänzt wird. Neben die Schilderungen des alltäglichen, fröhlichen Familienlebens tritt in ihren Augen eine eindringliche Rekonstruktion des Wegs von Rosenbergs Vater durch das deutsche Vernichtungssystem. "Das Grauen" tritt für Granzin so "als Teil eines eigentlich undenkbaren Alltags" zutage.
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