Jahrzehntelang war er eine Institution in Millionen deutschen Haushalten: der Quelle-Katalog. Er war das Medium, das nicht nur für eine besonders enge Verbindung zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden sorgte, das darin präsentierte Produkt - angebot prägte vielmehr auch entscheidend den Geschmack und die Alltagskultur im Wirtschaftswunderland. Gregor Schöllgen legt die erste umfassende Biografie des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz vor. Auf der Grundlage bislang nicht zugänglicher Informationen schildert er die Anfänge des Versandhauses seit den 1920er Jahren und beschreibt den Aufbau jenes Industrieimperiums, mit dem Gustav Schickedanz seinem Unternehmen während der 1930er Jahre ein zweites Standbein neben dem Versandhandel verschaffte.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 06.10.2010
Rezensent Thomas Hummitzsch findet Gregor Schöllgens Biografie des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz überhaupt nicht überzeugend, weil einfach viel zu "unkritisch". Er bedauert in dem Zusammenhang, dass man in Ermangelung anderer brauchbarer Bücher über die Quelle-Familie - Anja Kummerows Biografie über Madeleine Schickedanz findet er beispielsweise ganz und gar unerhellend - an Schöllgens Buch nicht vorbeikommt. Die Sicht des Autors auf Schickedanz' Erfolgsgeschichte blendet nach Hummitzschs Meinung aus, welche Rolle der Unternehmer in der Nazizeit gespielt. Seinen ökonomischen Erfolg sieht Schöllgen als "Phänomen des Wirtschaftswunderdeutschlands" - und diese Sichtweise findet der Rezensent doch etwas arg folkloristisch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.08.2010
Keine Angst, Familie Schickedanz, der Aufklärungsarbeit ist Gregor Schöllgen nicht verdächtig. Das weiß Willi Winkler spätestens nach der Lektüre dieser "Firmenwerbeprosa" für das Haus Quelle und seinen Gründer Gustav Schickedanz. Bei all der von Winkler konstatierten , unerfreulichen hofmusikalischen Lobhudelei fragen wir uns, ob der Rezensent es über sich gebracht hat, das Buch bis zum Ende zu lesen. Denn Schöllgens von Winkler durchaus erkannte Tugenden Geduld, Zeit und Quellenstärke verkehren sich zu Untugenden, wenn daraus nichts wird, als eine geschmeidige Abfolge von Floskeln und Klischees. Als Meister also präsentiert sich der Autor nach Winklers Meinung vor allem in der konstanten Einhaltung der affirmativen, durch nichts (auch durch Schickedanz' fragwürdige Haltung zum NS-Regime nicht) zu erschütternden Innenperspektive sowie in der Kunst, aus einem vollen Archiv soviel Leere herausgeholt zu haben.
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