Über das gräfliche Geschlecht der Finckensteins führt Günter de Bruyn in diesem erzählerischen, oft romanhaften Buch in die Geschichte und Kultur Preußens ein. Literatur, Gesellschaft, die Wirren und Widersprüche der preußischen Geschichte spiegeln sich in dieser Familie, die über Jahrzehnte im Zentrum des Geschehens stand. Königin Luise von Preußen ist weniger als historische Figur denn als Legende in Bildern, Büsten und zahllosen Büchern überliefert. Günter de Bruyn zeigt die Wirkungsmächtigkeit dieser Legende über zwei Jahrhunderte. Keine der Straßen Berlins verbindet man bis heute so sehr mit der Geschichte Preußens und seiner Hauptstadt wie Unter den Linden. Günter de Bruyn führt uns auf die ihm eigene, unnachahmliche Weise durch die Geschichte des Boulevards und seiner Bewohner.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.01.2005
Die Preußennostalgie hat Einzug gehalten, stellt Katharina Rutschky mit einem gewissen Bedauern fest, wozu der restriktive Umgang in der DDR mit dem historischen Erbe wohl viel beigetragen habe. Bei dem einstigen DDR-Schriftsteller Günter de Bruyn führte das laut Rutschky zu einem "Adels- und Preußenfimmel", der diese Ära und ihre kulturellen Hinterlassenschaften in Form von Schlössern, Gärten, Paradestrassen in sentimental verklärendes Licht taucht. De Bruyn hat in den vergangenen Jahren drei einzelne Bände zur Geschichte der preußischen Region veröffentlicht, die nun zusammengefasst in einem hübschen Schuber erschienen sind. Trotz ihrer restaurativen Tendenz mag Rutschky den Büchern nicht ihren informativen und unterhaltsamen Charakter absprechen: zu hübsch seien die Zitatfunde und die Abbildungen, soviel gibt sie zu. Aber auch harmlos, kritisiert sie. Als Beispiel führt sie den Band über die Familie Finckenstein an, die mit ihren "Musenhöfen" als beispielhaft im Dienste Preußens und der Kultur gelte. Typischerweise ignoriere de Bruyn das innovative Potenzial derselben, wo es beispielsweise um unkonventionelle Lebensformen ging. De Bruyn sei eben kein forschender Historiker, stellt Rutschky klar, er habe sich von Preußen "nicht faszinieren, sondern nur sentimentalisieren lassen".
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