Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Napoleons Landung bei Antibes am 1. März 1815 durch Frankreich. Der Mann, der immer alles auf eine Karte setzte, wollte es nach seiner Absetzung nochmals wissen. Die Massen strömten ihm zu, und siegreich zog er erneut in Paris ein. Napoleons "Invasion eines Landes durch einen Mann" (Chateaubriand) ist in der Geschichte singulär. Günter Müchler erzählt die dramatische Geschichte der 100 Tage , von der Vorgeschichte, der ersten Abdankung Napoleons in Fontainebleau 1814, bis zur endgültigen Verbannung auf Sankt Helena. Es ist für ganz Frankreich und für den Rest Europas ein kurzes Zeitfenster extremster Anspannung, eine Episode, die erst den Grundstein legte für den Napoleon-Kult. Denn mit den 100 Tagen endet endgültig das Ancien régime und eine neue Epoche bricht an.
Fünfzehn Jahre lang haben sich die Verlage kaum für napoleonische Jubiläen interessiert, weiß Stephan Speicher. Waterloo scheint einen anderer Hut zu sein: ein ganzer Schwung neuer Bücher behandelt die Schlacht von 1815, verrät der Rezensent. Günter Müchler beschreibt in "Napoleons hundert Tage" die Zeit nach seiner Rückkehr von Elba bis zur Schlacht von Waterloo als eine moderne Tragödie, in der die Übergänge zwischen "Monarchie, Konvent, Anarchie, Direktorium, Konsulat, Imperium" die Loyalitäten derart aufgeweicht hatten, dass Napoleons Scheitern zwangsläufig war - "zur Tragödie gehört die Unausweichlichkeit", weiß Speicher.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2014
"Antiromantisch" und deshalb umso informativer ist Günter Müchlers Blick auf "Napoleons Hundert Tage" seiner erneuten Machtübernahme bis zur Schlacht bei Waterloo. Interessiert liest der Kritiker, wie Müchler die Spaltung und die Erschöpfung des französischen Volkes nach fünfundzwanzig Jahren der Revolution und des Krieges beschreibt. Vor allem aber lobt Speicher Müchlers Konzentration auf moralische Fragestellungen: Er erfährt in den detailreichen Ausführungen des Autors wie der schnelle Übergang von absoluter zu konstitutioneller Monarchie, Konvent, Anarchie, Direktorium, Konsulat und Kaisertum die Bürger psychisch zermürbte und zur Denunziation bewegte. Diesem ebenso "schwungvoll" wie klug geschriebenen Buch kann der zufriedene Kritiker auch das Fehlen eines Anmerkungsapparats verzeihen.
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