Mehrere Jahre war Henri Beyle (1783-1842), wie Stendhal eigentlich hieß, in Deutschland unterwegs. Mit Napoleon zog er 1806 in Berlin ein, wurde zum Kriegskommissar befördert und für zwei Jahre nach Braunschweig abkommandiert, wo er der Besatzungsmacht bei der Eintreibung von Steuern behilflich war. 1809 war er bei der Eroberung Wiens zugegen und 1812 beim Sturm auf Moskau, von dem er sich in Königsberg erholte. Vor der Leipziger Völkerschlacht war er Kriegskommissar in Dresden und im schlesischen Sagan. Wie hat Stendhal die Deutschen und ihre Kultur wahrgenommen? Manfred Naumann geht Stendhals Bildern von den Gegenden und Menschen jenseits des Rheins nach und gibt die vor mehr als zweihundert Jahren geführte Debatte über Deutschland wieder, die in die kulturellen Kommunikationsverhältnisse ihrer Zeit eingebettet ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2001
Frank-Rutger Hausmanns Urteil über dieses Buch ist zwiespältig. Einerseits begrüßt er nachdrücklich die seiner Ansicht nach längst überfällige eingehende Beschäftigung mit Stendhals Deutschlandeindrücken. Er findet, dass dem Autor eine "fesselnde Untersuchung" gelungen ist, die "umfassend" Einblick in Stendhals Deutschlandbild bietet. Was den Rezensenten allerdings enttäuscht, ist die "assoziative" Weise mit der sich Naumann dem französischen Autor zuwendet. Wichtige Fragen wie die nach der Beeinflussung Stendhals durch die deutsche Kultur blieben ungeklärt, so der Rezensent bedauernd. Statt "Synthesen" findet er in dem Buch lediglich "Momentaufnahmen", und er meint, dass zu wenig zwischen wichtigen und nebensächlichen Details getrennt wird.
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