Aus dem Italienischen von Barbara Fahrni-Mascolo. Idyllisch eingebettet in die Alpen liegt zwischen den schweizerischen Kantonen Tessin und Wallis das italienische Ossolatal. 1944 vertreiben die Partisanen hier nach harten Kämpfen vorübergehend die deutsche Wehrmacht und ihre faschistischen Handlanger. Gino Vermicelli, damals selbst aktiver Widerstandskämpfer, schildert in seinem autobiografisch gefärbten Roman die entscheidenden Etappen dieses Krieges im Krieg. Antiautoritär und antimilitaristisch geleiten Politkommissar Simon und Kommandant Emilio ihre Leute durch spannungsgeladene, hoffnungsvolle, aber auch tragische Monate, in denen die gesellschaftlichen und politischen Grundlagen für das Nachkriegsitalien gelegt werden. Die Dialoge der beiden Protagonisten - der eine Kommunist, der andere Katholik - tragen das Buch. Bar jeder Soldatenromantik philosophieren sie über Sinn und Unsinn ihres Tuns, über das Wesen des Menschen sowie über ihre Träume und Hoffnungen für die Zukunft. 50 Jahre nach Kriegsende verfasst, hebt "Die unsichtbaren Dörfer" Aspekte wie die Rolle der Frauen im Widerstand, den Umgang mit Sexualität und die übersteigerten Erwartungen an die Zeit nach dem Faschismus schärfer hervor, als dies ein zeitgenössischer Bericht vermocht hätte. Dies macht den Roman ebenso historisch wie aktuell.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2023
Für Rezensentin Christiane Pöhlmann unterliegt Gino Vermicellis Roman zum Partisanenalltag klar Beppe Fenoglios "Eine Privatsache" und Italo Calvinos "Wo Spinnen ihre Nester bauen", den einschlägigen Werken zur italienischen Resistenza. Denn wie Vermicelli vom Sozialisten Simon erzählt, in Form von Schilderungen langer Märsche und großen Reden des Protagonisten, eine historische Einbettung in wichtige Ereignisse vor 1944 wie den ersten Partisanenaufstand oder den Sturz Mussolinis weitgehend aussparend, zieht sich doch sehr, meint die Kritikerin. Nicht nur Simons ausschweifende "Belehrungen" fallen dabei im Tonfall des Romans dröge aus, sondern sogar interessante Gedanken, wie Pöhlmann irritiert feststellen muss. Dazu würden die Partisanen durchweg glorifiziert und die "Lehren" des Romans "akkurat vorgekaut". Selten hat ein Roman so "töricht" seinen Stoff verschenkt, hält Pöhlmann fest.
Rezensentin Maike Albath fühlt sich mit Gino Vermicellis Partisanenroman aus den 1980er Jahren daran erinnert, wie aufregend (und wichtig) der Kampf für die Freiheit ist. Literarisch macht der als Roman etikettierte Bericht vom Kampf der Partisanen gegen die Faschisten im Ossolatal laut Albath nicht so viel her. Durchschaubar erscheint ihr die Konstruktion, beschränkt der Stil. Allerdings gelingen dem Autor immer wieder packende Szenen und Wendungen und die anschauliche Vermittlung der Hürden demokratischer Prozesse, findet sie. Dass Vermicelli Krieg und Partisanenkampf nicht idealisiert, scheint Albath erwähnenswert.
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