Gunnar Cynybulk

Das halbe Haus

Roman
Cover: Das halbe Haus
DuMont Verlag, Köln 2014
ISBN 9783832197230
Gebunden, 576 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Geschichte geht durch diese deutsche Familie, die eigentlich eine halbe ist: Großmutter, Vater, Sohn. Krieg und Vertreibung haben sie zersplittert. Obwohl sie vom Schwarzen Meer stammt, zieht es sie in Zeiten des Kalten Krieges in den Westen. Vor allem der Vater, Frank Friedrich, träumt von den Brücken in Paris. Er drängt seine Mutter Polina, im Dezember 1981 aus der DDR in die Bundesrepublik überzusiedeln, und hofft auf die spätere Zusammenführung der Familie. Sein Sohn Jakob hat einen anderen Traum: die Kinder- und Jugendsportschule. Dann passiert das Unglück: Frank verliebt sich in die schöne Eva, die zu eng mit dem System verbunden ist. Dennoch treibt er sein Freiheitsprojekt voran. Im März 1983 wird er verhaftet. Gunnar Cynybulk erzählt von einem Kind, das die Zugvögel beneidet, weil diese zurückkehren können. Doch nur im Akt des Erzählens ist Rückkehr möglich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.05.2014

Der schreibende Verleger Gunnar Cynybulk hat einen gelungenen Debütroman über die "Malaisen im real existierenden Sozialismus" geschrieben, die er in einer umfangreichen, teilweise wohl autobiografischen Familiensaga verpackt, berichtet Ulrich Rüdenauer. Der Detailreichtum, die wechselnden Perspektiven mit maßgeschneiderten "Sprechkostümen", die eingestreuten authentischen Stasi-Akten und die komplexe Figurenzeichnung - all das markiert den ambitionierten zeitgenössischen Autor, weiß der Rezensent. Die Geschichte kreist um Frank Friedrich, der Anfang der Achtzigerjahre nur noch weg möchte aus der DDR, um seine Mutter, die vom Krieg erzählt, und um seinen Sohn, der hin und her gerissen ist zwischen dem Anpassungszwang, der ihm weit weniger Unbehagen bereitet als seinem Vater, und der Loyalität zu seiner Familie, fasst Rüdenauer zusammen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.05.2014

Jutta Person gerät über den Generationenroman "Das halbe Haus" von Gunnar Cynybulk, dem Leiter des Aufbau Verlags, ins Grübeln über den aktuellen Trend der Wurzel-Literatur, die oft dazu tendiere, sich erzählend mit der Vergangenheit auszusöhnen. Cynybulk erzählt zum Beispiel seine Geschichte des geteilten Deutschlands, über ein halbes Haus in der Leipziger Vorstadt, und "das Land ist ebenso halb wie die Wahrheit" in diesem Roman, fasst die Rezensentin zusammen. Der Autor beschreibt den Weg "von der heimeligen Häkeldeckchenwelt bis zur totalitär verordneten Gemeinschaftswärme", von IMs, von den Nachwehen des Krieges, von Alltag und Widerstand, aber irgendwie wirkt die Geschichte ein wenig wie ein nachträgliches "Trostbrot", findet Person, und eigentlich könnte Literatur mehr sein, meint sie.
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