Aus dem Französisch von Bernadette Grubner, Roman Kuhn, Birgit Lulay und Christoph Plutte. Die Briefe zeigen den Zusammenhang von gedanklichem Austausch und Freundschaft, Werk und Leben, Disziplin und Genuss. Sie zeichnen über einen Zeitraum von fast 40 Jahren die Bemühung um eine In-Begriff-Nahme der Gegenwart nach und die Entwicklung eines Denkens, das unbeirrt auf den Umsturz der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung zielte.
Rudolf Walther überzeugt die vorliegende Auswahl der Briefe Guy Debords vor allem durch den durch sie vermittelten Einblick in die Organisationsstruktur der Situationistischen Internationale und in die Arbeitsweise und die Fehleinschätzungen Debords. Walther ist sichtlich bemüht, das Bild der Kulturbetriebsnudel Debord als Selbst- und Fremdinszenierung zu enttarnen. Dass dem Feuilleton bei der Mythisierung Debords und der S. I. bis heute eine tragende Rolle zukommt, weiß Walther ebenso wie er die politischen Missdeutungen Debords erkennt. Und allerdings auch dessen noch immer brisante Argumentation für das Individuum und gegen Profitdenken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2011
Guy Debord war die Galionsfigur der Situationistischen Internationale, weiß Rezensent Stephan Grigat. Die Geschichte jener linksradikalen Bewegung sowie Debords Rolle darin könne vermittels der vorliegenden Briefe immerhin rekonstruiert werden, wie der Rezensent versichert. Inhaltlich erwarte den Leser ein rasanter Parforceritt durch die Revolten und Revolutionen (in Algerien, Portugal, Spanien, Polen) seit dem Zweiten Weltkrieg, und zwar in "schroffer und mitunter brutaler Sprache". Problematisch findet der Rezensent die Gesellschaftskritik Debords vor allem aus zwei Gründen: Erstens würden Nationalsozialismus, Holocaust und Antisemitismus komplett ignoriert, woraus sich gleichfalls Debords radikaler Antizionismus erklären lasse. Zweitens habe Debord gegen die Kunst gewütet, anstatt sie als Befreierin zu begreifen. Bei aller Achtung vor dem Hauptwerk des Franzosen, der 1967 erschienenen "Societe du Spectacle", hat diese Briefsammlung auf den Rezensenten augenscheinlich eine eher abschreckende Wirkung. Auch was Debord über die Amerikanisierung unserer Alltagskultur schreibt, hält Grigat für nicht mehr als "Geraunze über Fast Food und Hollywoodkino".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2011
Worin liegt der Reiz Guy Debords? Für Fabian Granzauer zeigen die Ausgewählten Briefe einmal mehr seine Gleichgültigkeit gegenüber jeglicher Etikette, seine große gedankliche Freiheit und den Geist, der stets verneint. Der Sprachwitz, des Autors Fähigkeit zur Selbstkritik und die Aktualität mancher Probleme, die Debord diskutiert, machen die Lektüre für Granzauer, und dies sicherlich gegen den Wunsch des Autors, zur spektakulären Pflicht.
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