Die berühmte situationistische Unverschämtheit kulminierte schließlich in den sozialen Unruhen von 1968. Diese Sammlung von Texten untersucht Herkunft und Wirkung der situationistischen Ideen. Die Ablösung von den Kommunistischen Parteien, die Trennung von den Surrealisten, die Auseinandersetzung mit Castoriadis, Lukacs und Lefèbvre sowie der französischen Gruppe "Socialisme ou Barbarie" untersucht der amerikanische Historiker Stephen Hastings-King.. Die Literaturwissenschaftlerin Odile Passot begibt sich auf biographische Spurensuche und beleuchtet die Rolle, die die wenigen Frauen der Bewegung gespielt haben. Jean Barrots Kritik der Situationisten entwickelt grundlegende Ansatzpunkte, um zu einem entmy-stifizierenden Blick auf die Epoche zu kommen. T. J. Clark und Nicholson-Smith verteidigen die Radikalität der Situationisten, die sich einer Integration in den Kulturbetrieb entgegenstellt. Eine internationale kommentierte Bibliographie schließt die Zusammenstellung ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.06.2000
Der von Roberto Ohrt herausgegebene Sammelband markiert, so hofft der Rezensent Rudolf Walther, den Anfang einer längst überfälligen Auseinandersetzung mit der Geschichte der `Situationistischen Internationale` und ihrer Ikone Guy Debord, denn "gerade wer Debord schätzt, muss daran interessiert sein, den obszönen Frieden zu stören, in dem die verhärteten Bewunderer in Paris und anderswo derzeit den Situationistischen Nachlass verbrauchen wollen.", zitiert Walther zustimmend den Autor. So finden sich in dem Band Aufsätze von Odile Passot (Porträt von Guy Debord als jungem Libertin) und die ehemaligen SI-Mitglieder Timothy J. Clark und Donald Nicholson Smith berichten über in Vergessenheit geratene, seriöse analytische Bemühungen der Gruppe. Gilles Dauvé beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und dem problematischen Totalitarismusbegriff der Situationisten, auf den auch Robert Ohrt in seinem bibliografischen Überblick eingeht. Der nach Ansicht des Rezensenten wichtigste Beitrag stammt von Stephen Hastings-King und beschäftigt sich mit dem Einfluss der antistalinistischen Gruppe "Socialisme ou Barbarie" auf die SI.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.05.2000
Wenig erleuchtend findet Andreas Puff-Trojan den Sammelband "Das große Spiel ", der sich mit der in den 60er Jahren an den Rändern der Avantgarde von Kultur und Politik sich bewegenden Gruppe der Situationisten beschäftigt. Guy Debord, der wohl wichtigste Vertreter und Autor des einflussreichen Buchs "Die Gesellschaft des Spektakels" kommt, so bemängelt der Rezensent, nur am Rande vor. Die Verteidigung des situationistischen Gedankenguts bleibe nebulös. Am gelungensten scheint ihm noch die Bibliografie, der er "Esprit und Witz" attestiert. Er deckt jedoch auf, dass der Name einer der Autorinnen, Odile Passot, anagrammatisch gefaket ist - und weiß so wenig wie der Leser des Buches und der Rezension, welchen Reim er sich darauf machen soll.
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