Die Bürgerkriege innerhalb der islamischen Welt und die Konfrontation mit dem Westen sind die Grundkonflikte unserer Zeit. Im Koran selbst liegen die Wurzeln dieser Auseinandersetzungen, denn einerseits birgt er eine Botschaft der Toleranz und des Mitgefühls, andererseits ist er ein religiöser Text, der Brutalität und Mord legitimiert. Dieser Widerspruch rührt von der Person und dem Leben Mohameds her, dem anfangs friedlichen Prediger und späteren Warlord. Hamed Abdel-Samad stellt zentrale Suren vor, leitet sie ein und kommentiert sie mit Blick auf Entstehungsumstände und Rezeption. Er zeigt, warum sich friedliebende Muslime ebenso auf den Wortlaut des Korans stützen, wie dies gewalttätige Islamisten tun, und welche Konflikte daraus erwachsen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2016
Ein Buch zur rechten Zeit sieht Rezensent Wolfgang Günter Lerch in Hamed Abdel-Samads Versuch, den Koran in seiner Vielfalt darzustellen. Zwar steht nichts drin, was der Koranwissenschaft nicht schon bekannt wäre, meint Lerch, doch derart klar und strukturiert und für eine breite Leserschaft aufbereitet hat er diese Kenntnisse noch nicht aufgenommen. Der Kerngedanke des Autors vom Koran als eine Art Supermarkt, in dem sich jeder nach Belieben bedienen kann, ob Hassprediger oder gemäßigter Muslim, hat für den Rezensenten durchaus etwas für sich. Ebenso Abdel-Samads Idee, den Koran säkulär zu lesen, indem man ihn entmythologisiert, verbunden mit der Vorstellung des Autors, dass der Islam prinzipiell geeignet sei, auch in der Moderne Gesellschaften zu tragen. Wie der Autor außerdem über die spirituellen Erfahrungen mit der Koranlektüre berichtet, scheint Lerch lesenswert.
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