Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner. Als 1835 die ersten beiden Hefte der Märchen, erzählt für Kinder von Hans Christian Andersen erschienen, reagierte die literarische Kritik abschätzig. Das Publikum jedoch erkannte sogleich, daß hier etwas völlig Neues vorlag: Das waren nicht mehr die altbekannten Märchengeschichten, die erzieherisch wirken sollten. Andersen hatte einen eigenen Ton gefunden. Die Kinder waren nicht länger kleine Erwachsene, die sich einer normierten Welt anzupassen hatten; sie begannen selbst zu sprechen, in ihrer eigenen - kindlichen - Sprache. Neben seinem unverwechselbaren erzählerischen Ton war es die Wahl seiner Themen, mit der es Andersen gelang, die Gattung des Märchens neu zu definieren. Er erzählte nicht nur von allgemein-menschlichen Sehnsüchten, Hoffnungen und Ängsten, ihn interessierten ebenso religiöse Fragen, die Rolle des Künstlers, die gesellschaftlichen Zustände oder die technischen Neuerungen seiner Zeit. So gelang es Andersen, der überzeugt war, daß "nur ein Autor, der für Erwachsene zu schreiben versteht, fähig ist, für Kinder zu schreiben", auch sein erwachsenes Publikum anzusprechen.
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