Mit einem Nachwort von Johan de Mylius. Aus dem Dänischen von Bernd Kretschmer. Andersens Roman aus dem Jahr 1837 erzählt die bewegende Geschichte zweier unterschiedlicher Temperamente und Lebensentwürfe. Da ist zum einen der arme Schneidersohn Christian, der von einem ruhmreichen Leben als Musiker träumt, aufgrund seiner Herkunft aber am Ende nur ein unbedeutender Spielmann wird. Und da ist zum anderen die selbstbewusste Naomi, Christians leidenschaftliche Antipodin aus wohlhabendem Haus, in die Christian hoffnungslos verliebt ist, die ihr eigenes Glück aber in der Welt von Adel und Libertinage zu finden hofft. Dem wechselhaften Schicksal beider Figuren folgt der Roman von Kopenhagen bis Rom, von Wien bis Paris und entfaltet dabei ein detailliertes Bild seiner Zeit. Eindrucksvoll zeigt die Neuübersetzung dieses Romans, dass Hans Christian Andersen nicht nur ein meisterhafter Märchenerzähler, sondern auch ein bedeutender Romanautor ist, der weltläufiges Erzählen mit bitterer Sozialkritik verbindet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.03.2005
Kristina Maidt-Zinke begrüßt, dass mit der Neuübersetzung beziehungsweise Neuausgabe von Romanen von Hans Christian Andersen eine andere Seite des dänischen Schriftstellers zu bewundern ist, der heute fast nur als Verfasser seiner Märchen bekannt ist. Der Roman "Nur ein Spielmann" von 1837, der vom Schneidersohn Christian erzählt, der wegen seiner Herkunft und seiner schwachen Psyche die große Musikerkarriere verpasst, war auch in Deutschland zu seiner Zeit der größte Romanerfolg Andersens, weiß die Rezensentin. Sie schätzt an diesem Roman das Nebeneinander aus realistisch gezeichneten Alltagsbeobachtungen und den "verdichteten Bildern" aus dem Innenleben der Hauptfigur und ist von der "Vielfalt der Motive" in diesem Künstlerroman fasziniert. An diesem Buch kann man die "lange vernachlässigte Leistung" Andersens als Romanschriftsteller wieder entdecken, so Maidt-Zinke begeistert. Dass Kierkegaard ihm bei Erscheinen einen langen, vernichtenden "Verriss" angedeihen ließ, verschafft dem Buch für die Rezensentin auch heute noch "einige Brisanz".
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