Aus dem Dänischen von Inger und Walter Methlagl. Wer Kierkegaard schätzt, macht Bekanntschaft mit jenem wetterleuchtenden Erzähler, dessen Naturnähe und Gespür für die Brüche der Moderne der Philosoph gerühmt hat. Blichers Welt ist Jütland, er lebte noch in einer Heidelandschaft mit Weilern und großen Gutshöfen. Er war fasziniert von Volksüberlieferungen, mischte sie auf mit Liebe, Eifersucht, Bauerngeiz und Jagdlust, verschloss aber den Blick nicht vor den frühkapitalistischen Zerstörungen überkommener Lebensformen. Sein Interesse für das Nomadische zeigt sich in wandernden Erzählern wie in einer kraftvollen Zigeuner-Geschichte. Sein melancholisches Temperament ließ Blicher menschliche Tragik und Vergänglichkeit mit einer Subtilität schildern, die seiner Zeit voraus war: so wurde er zum Klassiker eines psychologischen Realismus. In seinen immer wieder sprachkritischen Grenzgängen ist er allenfalls Nestroy vergleichbar. Fasziniert von Gegensätzen gelangen ihm literarische Formen der Brechung, aus denen seine Geschichten auch heute noch leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2007
In Steen Steensen Blicher erkennt Rezensent Peter Urban-Halle einen Verwandten von Gottfried Keller und Johann Peter Hebel. Sprachlich, in der Übersetzung von Inger und Walter Methlagls, erinnert ihn der Erzählband seiner Texttreue wegen ("klingt altmodisch, nicht historisierend") an Arno Schmidts Poe-Übertragungen. Die Texte selber oszillieren für den Rezensenten zwischen Parodie und Tragik. Die Themen Liebe und Tod, konstatiert er, werden immer wieder "aufgelockert" durch "komische Elemente". Die "psychologisch-realistische" Inszenierung von Liebesgeschichten als Kriminalfälle findet Halle virtuos.
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