Hans Fässler

Reise in Schwarz-Weiß

Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei
Cover: Reise in Schwarz-Weiß
Rotpunktverlag, Zürich 2005
ISBN 9783858693037
Gebunden, 337 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Das Buch beleuchtet einen Aspekt der Schweizer Geschichte, der auch kritischeren Zeitgenossen weitgehend unbekannt ist. Schweizer Spuren in Sachen Sklaverei führten den St. Galler Kabarettisten und Historiker Hans Fässler bis auf die Insel Goree, den großen Umschlagplatz für Sklavinnen und Sklaven in Westafrika, und nach Port-au-Prince (Haiti), einen der Orte, an denen die "Ware" Mensch verbraucht worden war. Mit erschütternden Einsichten kehrte er in die Schweiz zurück. Jetzt nimmt Hans Fässler Leserinnen und Leser mit auf eine neuerliche Reise, deren Stationen eine Adresse und eine Postleitzahl haben: Zwanzig Ortstermine zwischen Boden- und Genfersee kreisen die Beziehungen von Schweizer Kaufleuten, Offizieren, Auswanderern, Bankiers, Familienunternehmen, Reisenden und Philosophen zu jener Institution ein, die 2001 - endlich - zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2006

Auf den ersten Blick besehen, hat die Schweiz wenig mit der Geschichte des Sklavenhandels zu tun, auf den zweiten Blick aber schon - wie Gottfried Oy nach der Lektüre dieses Buches meint. Zu eng waren bereits damals die wirtschaftlichen Verflechtungen des europäischen Kontinents, als dass sich mit dem Handel mit billigen Arbeitskräften nicht auch Schweizer Kaufleuten und Bankiers ein einträglichges Geschäft anbot. Für den Rezensenten bietet Fässlers Buch einen umfassenden Einblick in die Organisation dieses Handels: "Vom Schiffsausrüster über Geldgeber, Versicherer, Plantagenbesitzer bis hin zum Söldner" - Fässler mache "abstrakte Transaktionen" in der konkreten historischen Vergegenwärtigung sichtbar, getreu dem Brechtschen Motto, dass "das Böse immer eine Adresse und Telefonnumer" hat. Auch die Abolitionistenvereine, die sich für die Abschaffung der Sklaverei engagierten, erscheinen für den Rezensenten nach der Lektüre in einem anderen Licht: sie strickten eifrig an einem fragwürdigen eurozentrischen Diskurs über den "guten Wilden" mit, der schließlich zum Überbau neuerlicher Expansions- und Missionsgelüste wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2006

Der Autor Hans Fässler, Mittelschullehrer von Beruf, bezeichnet sich selbst halb im Scherz als "Hobbyhistoriker" - was freilich nicht heißt, kann man der Rezension dieses Buches entnehmen, dass er nicht genau das auch ist. Schlimm findet der Rezensent (Kürzel "ach.") das aber offenkundig nicht. Aus seiner Empörung über Schweizer Beteiligung am Sklavenhandel macht Fässler kein Hehl, aber eben drum handle es sich um ein "brillantes Pamphlet", das auf der Verantwortung für Vergangenes mit pädagogischer Absicht und beträchtlicher Wirkung insistiert. Problematisch wird es nur, wenn die historischen Fakten nicht ganz stimmen. Etwa in der Behauptung, "der Wiener Kongress habe 1815 den Sklavenhandel für völkerrechtswidrig erklärt". Das stimmt so, korrigiert der Rezensent, leider nicht. In wolkigen Formulierungen habe man damals den Gegnern Sympathie bezeugt, die genauere Ausführung eventueller Verbote aber den Vertragsstaaten überlassen. So zog ein Jahrhundert des Unrechts ins Land bis es zur tatsächlichen völkerrechtlichen Ächtung kam.
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