Hans-Heinrich Nolte

Kleine Geschichte Russlands

Cover: Kleine Geschichte Russlands
Reclam Verlag, Ditzingen 2003
ISBN 9783150105412
Gebunden, 544 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die "Kleine Geschichte Russlands", jetzt aktualisiert bis in die unmittelbare Gegenwart: Die Darstellung setzt bei der Warägerzeit und der Kiewer Rus ein; in ihrem Zentrum stehen die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen des Zarenreichs, der Sowjetunion und des gegenwärtigen Russlands bis in die Putin-Zeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.02.2004

Insgesamt gelungen findet Rezensent Dietrich Geyer diese Geschichte Russlands von Hans-Heinrich Nolte - zumal sie ohne die üblichen Russlandklischees auskommt und nicht auf "ausgetretenen Pfaden" wandelt. Besondere Beachtung schenkt Nolte der Sozial- und Wirtschaftsstrukturen und der internationalen Verflechtungen des Zaren- wie des Sowjetreiches, berichtet Geyer. Und über die polyethnische und multikonfessionelle Struktur des Vielvölkerimperiums könne der Leser bei Nolte mehr erfahren als in mancher Großgeschichte. Gefallen hat Geyer auch Noltes Stil: dieser bleibt mit seiner Stimme im Text gegenwärtig, so dass bei der Lektüre keine Langeweile aufkommt. Weniger überzeugt hat Geyer hingegen die "klein gekammerte" Gliederung in 27 Kapitel mit etwa 180 Abschnitten - schließlich sei auf so kleinem Raum nur selten einzulösen, was die weit ausgreifenden Zwischentitel annoncieren. Unter der Überschrift "Stalin und der Stalinismus" (Kap. 16.8) etwa kann der Rezensent nur ein paar Daten zum Lebenslauf des Diktators ausfindig machen. Etwas bedauerlich, wenn auch - bei der Knappheit des Raums - verständlich, findet Geyer, dass Nolte Ideen- und Kulturgeschichtliches und damit auch die russische Literatur nur eben streift.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2004

Auf die ewige Frage, wer das Subjekt der russischen Geschichte sei, antworten neuere historiografische Darstellungen nicht mehr, wie früher "Der Zar", sondern "Der einzelne Mensch", bemerkt der Rezensent Ulrich M. Schmid. In Hans-Heinrich Noltes "Kleiner Geschichte Russlands" finden sich in der Tat "individuelle Biogramme", die die "großen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien" ergänzen. Doch der Rezensent rügt Nolte für seine Vertrauensseligkeit in puncto Quellen, hier fehle dem Autor fatalerweise der kritische Blick, was sich schon an seiner Figurenauswahl zeige: Hinter der Wahl von Anastasja Markowna (der Frau des Protopopen Awwakum) als Beispiel für ein weibliches Leben im 17. Jahrhundert, vermutet Schmid "politische Korrektheit", und auch die Wahl des paradigmatischen Sowjetmenschen betrübt den Rezensenten aufs Äußerste: Nolte porträtiere die langjährige Kulturministerin Jekaterina Furzewa, die in den Augen des Rezensenten keineswegs eine "wohlunterrichtete Persönlichkeit" war, sondern sich vielmehr "durch einen ausgeprägten Machtinstinkt und ein reaktionäres Kunstverständnis" auszeichnete. Nicht zuletzt, so der nun vollends verärgerte Rezensent, verklärt Nolte Wladimir Putin zur "Lichtgestalt demokratischer und rechtsstaatlicher Reformen", anstatt die Chance zu nutzen, ein kritisches Bild des heutigen Russlands zu entwerfen.

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