1938 beschlossen die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich und der Dirigent Leo Borchard, gemeinsam mit Gleichgesinnten Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten. Ihre geheime "Clique" existierte in Berlin bis zu Borchards Tod 1945 und wurde später unter dem Namen "Onkel Emil" bekannt. Die Gruppe versorgte politisch Verfolgte und insbesondere untergetauchte Juden mit Lebensmitteln, Quartier und Papieren. Der Historiker Wolfgang Benz beschreibt vor dem Hintergrund der Judenverfolgung im "Dritten Reich", welche Möglichkeiten es gab, Verfolgten und Bedrohten zu helfen. Vor allem aber erzählt er die bewegende Geschichte einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich unter Lebensgefahr für andere einsetzte.
Rezensent Benedikt Herber erkennt mit dem Buch des Antisemitismusforschers Wolfgang Benz einmal mehr, wie unglaubwürdig der Satz klingt, gegen die Judenverfolgung im "Dritten Reich" habe man nichts tun können. Was der Autor über die Gruppe Onkel Emil um die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich herausfindet, mühsam ob der schwierigen Quellenlage, wie Herber begreift, zeigt einen unpolitischen Kreis von Menschen, die ohne Erwartung von Dankbarkeit, einfach aus Menschlichkeit Juden zur Flucht verhalfen. Dass der Autor die Geschichte der Kreismitglieder über das Kriegsende hinaus weitererzählt, findet Herber gut. Eine gelungene Erinnerung an "stille Helden", meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2020
Rudolf Walther empfiehlt das Buch des Antisemitismus- und Widerstandsforschers Wolfgang Benz. Walther lernt die Berliner Widerstandsgruppe "Onkel Emil", ihre Entstehung, ihre Mitglieder um Ruth Andreas-Friedrich wie ihre Taten kennen. Dass der Autor sich fast ausschließlich auf Andreas-Friedrichs Tagebücher stützt, macht die Sache für Walther nicht weniger spannend und beeindruckend. Wie die Gruppe jüdische Mitbürger schützte und versorgte, Sabotage verübte, Dokumente fälschte und gegen das NS-Regime arbeitete, findet Walther bemerkens- und lesenswert.
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