Es ist der überraschende, eigenwillige Blick eines unangepassten Künstlers, Malers, Denkers mit aufbegehrendem Temperament und intellektueller Unruhe, mit dem Hans-Hendrik Grimmling seinen Werdegang von den Anfängen im ersten Atelier in der sächsischen Kleinstadt Zwenkau über den ersten Zeichenunterricht in Leipzig schildert, wo sich für ihn schon in jungen Jahren das 'Verhängnis Kunst' andeutet und er sich später mit dunklen, bestürzenden Vogelmetaphern von den Realismen der "Leipziger Schule" abwendet. Im Künstlerkreis "Tangente" ist Grimmling Mitinitiator des legendären "1. Leipziger Herbstsalons", einer halblegalen Ausstellung im Messehaus am Markt 1984, einem Meilenstein der unangepassten DDR-Kunstgeschichte, der von den DDR-Behörden als "konterrevolutionär" eingestuft wird. 1986 reist Grimmling nach Westberlin aus, wo er sich wie ein "nasser Vogel fühlt, der in die Mauer fällt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.06.2008
Die Kunstrebellen der 80er Jahre können nun nicht länger ignoriert werden, freut sich Udo Scheer nach seiner Lektüre der Autobiografie des Künstlers und Hochschulprofessors Hans-Hendrik Grimmling, "Die Umerziehung der Vögel", die in Zusammenarbeit mit der Co-Autorin Doris Liebermann entstand. Nachdem Scheer die Farbe Schwarz im Werk des DDR-Malers gewürdigt hat, beschreibt er kurz den Lebensweg Grimmlings, der erst an der Dresdener Malschule und dann an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert hat. Besondere Bewunderung zollt Scheer dem "einmaligen Schelmenstück im DDR-Staatskunstbetrieb", zusammen mit fünf anderen Künstlern einen nicht genehmigten Leipziger Herbstsalon zu organisieren, nach dem Grimmling allerdings ausreisen musste/durfte. Die vielen Insiderinformationen über den Kunstbetrieb der DDR machen das Buch für Scheer zu einem "Novum".
"Im besten Sinne klassisch" nennt Claus Löser Hans-Hendrik Grimmlings Autobiografie. Wie der Autor den eigenen familiären und künstlerischen Hintergrund, seine Zeit in der autonomen Künstlerszene der DDR und seine Übersiedlung in den Westen 1986 thematisiert, findet Löser allerdings auch sehr selbstkritisch und "von Skepsis" durchdrungen. Etwa, wenn der Autor über die eigene Korrumpierbarkeit durch Privilegien nachdenkt. Lesenswert erscheint Löser das Buch nicht zuletzt seiner Offenheit und seiner "plastischen Schilderungen" wegen und weil es beschreibe, wie die DDR von "unangepassten Menschen" er- und überlebt wurde.
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