Mit zahlreichen Abbildungen. Die erste wissenschaftliche Müntzer-Biografie auf der Basis der Quellenlage.
Thomas Müntzer ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Schon während seines kurzen Lebens als Verkörperung des Teufels angefeindet, prägten über Jahrhunderte Ablehnung und Legenden das Bild. War er nur ein hitzköpfiger Sozialrevolutionär, der die Endzeit angebrochen wähnte und darum mit geballter Faust für die Rechte des "kleinen Mannes" kämpfte? Oder lassen sich Züge einer eigenständigen, neuen Theologie erkennen, mit der er auf die Krisenerscheinungen in Kirche und Gesellschaft reagierte?
Mit Siegfried Bräuer und Günter Vogler verfolgen erstmals ein Theologe und ein Historiker gemeinsam Leben und Wirken des Predigers, Seelsorgers und Mitstreiters im deutschen Bauernkrieg. Quellennah zeichnen sie seinen Weg nach und arbeiten die Wurzeln und Schwerpunkte seiner Theologie heraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2016
Dorothea Wendebourg freut sich über Siegfried Bräuers und Günter Voglers Versuch, die Reformation als ein vielstimmiges über Luther hinausgehendes Geschehen zu betrachten. Der Band trägt für Wendebourg die Ergebnisse der Müntzer-Forschung zusammen, an der die beiden Autoren laut Rezensentin maßgeblichen Anteil haben, und spiegelt die konstruktive Auflösung einer langen geschichtspolitischen Auseinandersetzung, in der die DDR Müntzer zu ihrem Mann stilisiert hatte. Das Programm, Luther als Maß aller reformatorischen Dinge zu relativieren und zu dem Wittenberger eine theologisch-politische Alternative zu präsentieren, gelingt laut Rezensentin. Der von ihr erhofften baldigen zweiten Auflage wünscht Wendebourg ein besseres Lektorat, sprachlich, aber auch was so manche Länge des Buches betrifft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2016
Rezensent Johann Hinrich Claussen, selbst evangelischer Theologe, hat selten ein Buch mit so viel Gewinn gelesen, das kaum gesicherte Erkenntnisse zu bieten hat, wie Siegfried Bräuers und Günter Voglers Thomas-Müntzer-Biografie. Dass es zu dem Widersacher Luthers kaum Quellen gibt, seine Entwicklung nicht greifbar ist, wie die beiden Historiker umso umfangreicher und akribisch genauer anhand ihrer Archiv-Recherchen darlegen, zeigt Claussen die Ausnahmestellung Luthers in der Historiografie. Aber Claussen wundert sich auch über die vielen eindeutigen Urteile in der Müntzer-Rezeption angesichts solcher Quellenlage. Besser gefällt ihm die Vorsicht, mit der die beiden Autoren nun vorgehen und das Vorhandene darstellen, das Umfeld Müntzers, seine ersten öffentlichen Äußerungen und seine außerirdische Frömmigkeit. Dass Müntzer ein Unbekannter bleibt, darin scheint für Claussen fast ein tieferer Sinn zu liegen.
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