Mit seiner Studie über »Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich« (1996) hat Hans Mommsen eine der Grundlagen für die derzeit leidenschaftlich geführte Debatte über die Zwangsarbeiter in der deutschen Wirtschaft der NS-Zeit und deren »Entschädigung« gelegt. Darüber hinaus hat Mommsen mit wichtigen Studien über die Sozialdemokratie im Habsburgischen Vielvölkerstaat, über den Weg von Weimar nach Auschwitz, über den Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft, über den deutschen Widerstand bis hin zu Arbeiten über die junge Bundesrepublik immer wieder grundlegende Anstöße zum Verständnis des 20. Jahrhunderts gegeben und mit seinem leidenschaftlichen Engagement Beachtung in weiten Teilen der politisch und historisch interessierten Bevölkerung gefunden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2000
In seiner Rezension (in der nicht an jeder Stelle deutlich wird, inwiefern er die Überlegungen Mommsens referiert oder eigene Gedanken äußert), weist Manfred Funke zunächst darauf hin, dass es sich hier um Aufsätze Mommsens aus den letzten 25 Jahren handelt. Der Autor selbst habe mit dieser Sammlung keineswegs den Anspruch erhoben, `die deutsche Entwicklung in der Weltkriegsepoche systematisch zu durchleuchten`, sondern "wichtige Teilaspekte" behandelt. Dem Rezensenten scheint dabei zu gefallen, dass Mommsen sich nicht in Überlegungen verliert, was damals anders hätte verlaufen können, sondern lieber aufzeigt, warum ein "autoritäres Regime beziehungsweise eine Militärdiktatur" die geradezu zwangsläufige Folge des Scheiterns der Weimarer Republik war. Nicht ganz einverstanden scheint Funke jedoch mit Mommsens Anklage gegen das Bürgertum, dem er eine besondere Verantwortung an Hitlers Aufstieg zuweist - Funke würde auch den Sozialisten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung zuschreiben wollen. Ohne auf Einzelheiten einzugehen hebt Funke insbesondere Mommsens Aufsätze zum Reichstagsbrand und van der Lubbe sowie zum "Ausnahmezustand als Herrschaftstechnik des Dritten Reiches" als besonders erhellend hervor. Insgesamt kritisiert er allerdings, dass Mommsens Studien oftmals eher "verdichten (...) als dass sie duldsam erklärend entfalten".
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