Herausgegeben von Ulrich Eckhardt. Hans Pischner, ausübender Musiker, Musikwissenschaftler, Kulturmanager - ein exemplarischer Fall, beispielhaft für kritische Betrachtungen zur Stellung des Künstlers in einer Diktatur: Wie er überstehen kann, zwischen Anpassung und Eigensinn, Selbstzensur und Überlistung. Ein Interpret aus dem Spezialgebiet der Alten Musik partizipiert als Multifunktionär auf breiter Basis am Herrschaftssystem - in latent erklärter Absicht, ein durchaus offenes, humanistisch getöntes Konzept sozialistischer Kulturpolitik zu realisieren. Konfrontiert mit allen Facetten der Kulturpolitik der DDR, konnte und wollte er nicht in die Nische einer reinen Künstlerexistenz entfliehen - wie es anderen Künstlern oder Kulturschaffenden möglich war, die er dann zu schützen und zu verteidigen hatte vor verordnetem Mittelmaß.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2006
Hans Pischner habe seine vor zwanzig Jahren in der DDR erschienene Autobiografie mit Gewinn überarbeitet, befindet Rezensent Ulrich Teusch. Zwar umgehe er auch jetzt noch politische Themen und Ereignisse, doch könne er nun offen darüber berichten, wie er als Intendant der Berliner Staatsoper von den Machthabern 1984 abgesetzt wurde. "Verbitterung" spricht für den Rezensenten aus diesem letzten Kapitel, den Weg dahin beschreibe der Autor als zunehmendes gegenseitiges Misstrauen. Rückblickend charakterisiere er sich als "Träumer", der nach dem Krieg falsche Vorstellungen hatte vom neuen Staat und sich einfach täuschen ließ. Als Intendant, so der Rezensent, habe Hans Pischner zwanzig Jahre lang eine hervorragende künstlerische Arbeit geleistet und stets "weltoffen" und "undogmatisch" gewirkt. Gegenüber der früheren Fassung der Autobiografie vermisst der Rezensent lediglich einige Erinnerungen an wichtige Künstlerkollegen.
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