"Liebe Parteifreundinnen und -freunde, ich möchte diese Sitzung mit einer wichtigen Mitteilung eröffnen.'Das Gemurmel verstummte. 'Ich habe heute Morgen die Möglichkeiten einer Regierungskoalition mit der AfD sondiert. Dabei …' Der einsetzende Tumult schnitt ihm das Wort ab."Was wäre, wenn die AfD den Kanzler stellte und zusammen mit der CDU regierte? So fragt Hans-Ulrich Jörges - einer der bekanntesten deutschen Journalisten - in seinem Roman, in dem er unsere Realität nur einen Schritt weiterdenkt. Die AfD wird bei der Bundestagswahl stärkste Partei und der CDU-Chef entschließt sich zu einer Koalition, um sich trotz der Niederlage an der Macht zu halten. Er wird Außenminister, macht jedoch zur Bedingung, dass die Kanzlerschaft in der Mitte der Regierungszeit wechselt und er dann selbst die Führung übernimmt. Deutschland gerät aus den Fugen. Die CSU löst sich von der CDU. Schon am Wahlabend wird ein junger Demonstrant am Brandenburger Tor von einem Wasserwerfer der Polizei lebensgefährlich verletzt, er stirbt drei Tage später und wird zur Symbolfigur des Widerstands. Das ist die Ausgangssituation des Romans von Hans-Ulrich Jörges. Er schildert, was passiert, wenn das Land der AfD ausgeliefert wird. Politisch geben in der Koalition die Blauen den Ton an. Asylbewerber transportiert man zur Grenze zurück. Während der Kobaltkanzler, dem als PR-Idee der Farbton Kobaltblau angedichtet wird, einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt mit Russland auf den Weg bringt, bricht er militärisch mit den USA. Nachdem sich die AfD-Rechten in den ersten Tagen noch zurückgehalten haben, rufen sie nun marodierende Horden von Rechtsextremisten auf, die Straßen der deutschen Städte zu übernehmen. Nachdem die CDU die Koalition verlassen hat und ein Misstrauensvotum gegen den Kobaltkanzler gescheitert ist, regiert die AfD per Verordnung allein weiter. Deutschland steht am Abgrund.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.01.2025
Ein erschreckendes, aber leider nicht ganz unrealistisches Was-wäre-wenn-Szenario schildert Hans-Ulrich Jörges' Roman laut Rezensent Pitt von Bebenburg. Konkret heißt das: Was wäre, wenn Friedrich Merz sich nach einem AfD-Wahlsieg auf eine Koalition mit der AfD und damit auf die Unterstützung eines AfD-Kanzlers einlässt. Die Figuren heißen zwar anders, sind aber problemlos auf reale Vorbilder durchsichtig, so Bebenburg. Im Folgenden geht es dann darum, wie die AfD-CDU-Koalition Bürgerrechte abbaut, die Westbindung kappt und sich Russland annähert. So schlimm das klingt, andere mögliche schlimme Auswirkungen einer AfD-Herrschaft insbesondere mit Blick auf marginalisierte Gruppen werden von Jörges gar nicht erst thematisiert, merkt Bebenburg an, dem außerdem die Dialoge nicht lebensecht genug und manches zu spekulativ geraten ist. Insgesamt jedoch liest der Rezensent diese düstere Zukunftsvision gern, insbesondere auch weil klar wird, dass sich der Autor in der Politwelt sehr gut auskennt.
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