Maik Tändler

Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bonner Republik

Cover: Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bonner Republik
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835358232
Gebunden, 468 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Mohlers Rolle als Netzwerker zwischen Liberalkonservativen und Nationalisten lässt die Geschichte der bundesrepublikanischen Rechten neu verstehen.Zwei Jahrzehnte nach seinem Tod gilt Armin Mohler noch immer als Vordenker der Neuen Rechten in Deutschland. Der 1920 in der Schweiz geborene Publizist inszenierte sich nach 1945 als Erbwahrer jenes in der Weimarer Republik grassierenden Radikalnationalismus, den er unter dem Begriff der "Konservativen Revolution" in die Bundesrepublik hinüberzuretten versuchte. Damit avancierte er zeitweilig zu einer der einflussreichsten Stimmen am rechten Rand des politischen Spektrums.Maik Tändler rekonstruiert die Geschichte der rechtsintellektuellen Netzwerke um Mohler, ihre Sammlungs- und Mobilisierungsversuche unter den Bedingungen einer sich schnell wandelnden politischen Öffentlichkeit und ihr Verhältnis zum weiteren Feld eines sich liberalisierenden Konservatismus. Die Herausbildung einer Neuen Rechten seit den 1970er Jahren erweist sich dabei weniger als Formwandel des "alten" Rechtsradikalismus der frühen Bundesrepublik, sondern vielmehr als Reaktion auf die langfristige und nicht immer geradlinige Entmischung von liberaldemokratischem Konservatismus und antiliberalem Rechtskonservatismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2026

Ein starkes Buch über Armin Mohler legt Maik Tändler laut Rezensent Patrick Bahners vor. Die Rezension konzentriert sich vor allem auf die Passagen, die sich dem Verhältnis von Mohler zu Franz Josef Strauss widmen. Mohler hatte zeitweise durchaus das Vertrauen von Strauss, auch Strauss' Slogan von einem Konservativismus, der die Spitze des Fortschritts bildet, geht zumindest indirekt auf Mohler zurück. Tändler zeigt hier, glaubt Bahners, auch auf, wie Mohler Begriffsarbeit als politische Intervention verstand. Auch offenbart das Buch, dass Mohlers Bücher lediglich wissenschaftlichen Anspruch vorgaukeln, tatsächlich geht es ihm darum, nationalsozialistische Ideen camoufliert in die Gesellschaft hinein zu tragen. Was ihm allerdings zu Lebzeiten nicht gelang: Auch Strauss weigerte sich letztlich, Anführer eine nationalen Bewegung im Sinne Mohlers zu werden. Bahners' Besprechung ist insgesamt eher eine Auseinandersetzung mit Mohler als mit Tändler, dessen Buch der Rezensent aber gleichwohl mit Gewinn gelesen zu haben scheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2025

Rezensent Dominik Geppert taucht mit Maik Tändlers Buch tief ein in die Geschichte der radikalen Rechten in der Bundesrepublik. Tändler hat, stellt Geppert klar, keine klassische Biografie geschrieben, die Schweizer Jugend Armin Mohlers etwa interessiert ihn nicht, vielmehr nutzt er den Protagonisten seines Buches dafür, ein differenziertes intellektuelles Panorama der deutschen Rechten zu zeichnen. Mohler prägte in seiner Dissertationsschrift den Begriff der "konservativen Revolution", seine Verteidigung rechter, aber nicht nationalsozialistischer Denker machte ihn zeitweise anschlussfähig für konservative Historiker. Freilich war deren Verhältnis von An- und Abstoßbewegungen geprägt, der extrem Rechte Mohler fand da Übereinstimmungen mit den Konservativen, wo er die sozialen Reformen der Linken geißelte, sein Antiparlamentarismus und auch sein Antiamerikanismus entfremdete ihn jedoch stets wieder vom bürgerlichen Lager. Es gibt durchaus Schnittmengen zwischen Konservativen und hart Rechten, lernt Geppert aus diesem Buch, aber letztlich wurden Mohlers Versuche, Konservative wie Strauß oder auch die Springer-Presse auf seine Linie zu bringen, stets enttäuscht. Abschließend widmet sich Geppert im Anschluss an Tändler der Frage, ob die AfD als die wahren Erben Mohlers zu betrachten sind. Geppert zumindest hegt nach der Lektüre die Hoffnung, dass sich der liberale Flügel der Konservativen auch diesmal den rechten Lockrufen entziehen kann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.08.2025

Laut Rezensent Nils Schniederjann liegt der Verdienst von Maik Tändlers Studie über den rechten Publizisten Armin Mohler darin, zu zeigen, wie gut vernetzt Mohler in der alten BRD war und wie strategisch seine Versuche waren, NS-Belastete zu entlasten. Dass Mohler zum Vordenker der Neuen Rechten wurde, wird für Schniederjann so viel besser verständlich. Dass Tändler Mohlers Entwicklung vom konservativen Historiker zum Faschisten so minutiös und mit umfangreichem Recherchematerial nachzeichnet, findet der Rezensent bedeutsam. Mitunter gehen wichtige Erkenntnisse im Band in der "Masse an Nebenaspekten" unter, was Schniederjann bedauert. Interessiert hätte ihn hingegen Mohlers Rolle in den Massenmedien, die Tändler nicht behandelt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.08.2025

Rezensent Helmut Böttiger empfiehlt das Buch von Maik Tändler als Augenöffner. Tändler beschreibt in seiner "detaillierten" Studie, wie der Publizist Armin Mohler in den 1960er und 70er Jahren in rechtskonservativen und anderen Medien gegen die Aufarbeitung des Nationalsozialismus agitierte und das altbundesdeutsche von NS-Ideologen durchdrungene Establishment festigte. Wie Mohler zum Vordenker der "Neuen Rechten" wurde, erschließt sich Böttiger so mühelos. Dass eine Vergangenheitsbewältigung in der BRD nicht stattgefunden hat, gehört für Böttiger zu den Lehren dieses für ihn wichtigen Buches.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.07.2025

Eine gründlich recherchierte, lesenswerte Studie zu Leben und Werk des rechten Publizisten Armin Mohlers legt laut Rezensent Claus Leggewie Maik Tändler vor. Dessen Buch setzt mit einem Preis ein, den Konrad Adenauer 1967 an Mohler verlieh und konzentriert sich, so Leggewie, auf Mohlers Wirken in der Bonner Republik. Leggewie geht mit Tändler auf eine Reihe von Aktivitäten Mohlers ein, darunter dessen Dissertation zur konservativen Revolution, die das Ziel hatte, eine Rechte jenseits des parlamentarischen Konservativismus wieder salonfähig zu machen. Insbesondere geht Tändler auf Mohlers Doppelstrategie ein, die darin bestand, einerseits Kontakt zu gemäßigteren Kräften zu halten - dazu passt auch seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung - und andererseits radikalen Gedanken Vorschub zu leisten; gegen Ende seines Lebens bis hin zur Holocaustleugnung. Außerdem behandele das Buch Mohlers Verhältnis zu Franz Josef Strauss sowie den gescheiterten Versuch, bei der Zeitung"Die Welt" Fuß zu fassen, die mit seinen antisemitischen Ressentiments nichts zu tun haben wollte. Gerne hätte Leggewie mehr über Mohlers Zeit als Frankreich-Korrespondent gelesen. Insgesamt jedoch ist Tändlers Darstellung dieser Biografie gut gelungen - man bekommt durch sie, glaubt Leggewie, auch ein gutes Bild einer intellektuellen Strömung, die derzeit, vor allem aufgrund der Erfolge der AfD, mehr Einfluss auf das politische Leben Deutschlands nimmt, als zu Zeiten der Bonner Republik.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.07.2025

Eine zeithistorische Studie ersten Ranges legt Maik Tändler Rezensent Jakob Hayner zufolge vor. Tändler widmet sich in erster Linie Armin Mohler und dessen Aktivitäten im Umfeld neurechter Publizistik, lesen wir. Hayner zeichnet mit Tändler nach, wie Mohler, selbst in der NS-Zeit kaum belastet, bereits in seiner Dissertation den Versuch unternahm, rechte Autoren in eine Distanz zu den NS-Verbrechen zu rücken. Tändler beschreibt Mohler vor allem als Netzwerker und analysiert dessen zahlreiche Korrespondenzen sowie Wortmeldungen in diversen Zeitschriften, auch Biografisches kommt dabei nicht zu kurz. Überall steckte Mohler mit drin, staunt Hayner nach der Tändler-Lektüre, selbst mit Marion Gräfin Dönhoff kam er gut klar, lange Zeit stand der der Siemens-Stiftung vor, suchte aber auch stets die Nähe zur extremen Rechten, ab Mitte der 1980er auch die von Holocaustleugnern. Unter anderem lernt der Kritiker von Tändler etwas über einen ersten Historikerstreit in den 1960ern und über Mohlers kategoriale Ablehnung liberaler Ideen, selbst da, wo sie sich gegen den Totalitarismus des Ostens wenden. Tänder sieht Mohler zudem als intellektuellen Vorläufer des Höcke-Flügels der AfD. Das alles ergibt eine außerordentlich reichhaltige Lektüre, so Hayner.

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