Zeit der Magier
Heinrich und Thomas Mann 1871-1955

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103976663
Gebunden, 464 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
"Was reden doch die zwei unwissenden Magier da?" Das dachte Golo Mann immer wieder, wenn er Heinrich und Thomas, seinen Onkel und seinen Vater, über Politik reden hörte. Wie aber steht es wirklich um die politische Urteilskraft dieser beiden großen Autoren des 20. Jahrhunderts? Wie wurden diese beiden Bürgersöhne aus Lübeck zu glühenden Verteidigern der Demokratie? Hans Wißkirchen, Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, zeichnet in seiner Biographie der Brüder ein differenziertes Bild, bei dem Politik und Literatur nicht zu trennen sind und das dank bisher unbekannter Briefe vor allem die Zeit des frühen Exils in ein neues Licht rückt. Weil erstmals beide Brüder gleichberechtigt zu Wort kommen, korrigieren sie sich immer wieder gegenseitig. Beide kommen aus dem ideologischen Raum der Jahrhundertwende. Demokratie ist für beide keine Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb wissen sie, was auf dem Spiel steht, und kennen die Gegner ganz genau.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2025
Der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel bespricht in seiner Doppelkritik zwei Neuerscheinungen zu den Schriftsteller-Brüdern Mann. Dass das Schaffen von Heinrich Mann besonders in den letzten Lebensjahren stark nachließ, wie der neunte Band von dessen "Essayistik und Publizistik" zeige, ist für den Kritiker auch ein wichtiges Ergebnis von Hans Wißkirchens Doppelbiografie: In einer interessanten Erweiterung, nicht aber Überholung von Helmut Koopmanns Vorläufer von 2005 gelinge dem langjährigen Leiter des Buddenbrook-Hauses in Lübeck ein hellsichtiger Vergleich der beiden Brüder und ihrer Werke, der eine Aufwertung des eher vernachlässigten Heinrich Mann leistet, ohne den Blick für seine Schwächen zu verlieren - etwa die politischen Verirrungen oder die zunehmende Abhängigkeit von seinem Bruder. Gelungen arbeite Wißkirchen außerdem den Umgang mit der Sexualität als wichtiges (und auch literarisch sich niederschlagendes) Unterscheidungskriterium der beiden Autoren heraus, sowie deren unterschiedliche "Profilierungen": Internationalität versus deutsche Repräsentativität, Popularität versus Größe, Demokratie versus Monarchie, zählt Kiesel hier etwa auf. Auch nach Koopmanns Wegbereiter noch eine durchaus lohnende Lektüre, verspricht Kiesel.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 05.05.2025
Dass zu allen Jubiläen etliche neue Thomas Mann-Bände erscheinen, leuchtet Rezensent Helmut Böttiger ein, dabei kommt es natürlich auch Mal vor, dass sich Themen wiederholen. Auch Hans Wißkirchen wählt laut Kritiker einen nicht ganz neuen Zugang, wenn er das Verhältnis der Brüder Heinrich und Thomas Mann untersucht - allerdings gibt es in dieser Doppelbiografie auch neue Erkenntnisse. In seiner umfassenden Besprechung geht Böttiger in chronologischer Form darauf ein, wie sich bei den Brüdern Anerkennung, Neid und Unverständnis abwechseln, wie es zunächst Heinrich war, der aus dem gestrengen Elternhaus ausbrach, dem aber die Sexualität immer wieder in die Quere kam bei der Verwirklichung seiner Lebensträume, der zuerst Erfolge als Schriftsteller feierte, bis Thomas ihn mit den Buddenbrooks zu überstrahlen begann. Auch politisch lassen sich Differenzen feststellen, der jüngere Thomas war zunächst pro Kaiserreich, während der ältere Bruder sich früh für die Demokratie eingesetzt hat, auch wenn er später nicht in der Lage sein sollte, die Gefahren des Stalinismus richtig einzuschätzen, wie wir erfahren. Im amerikanischen Exil war es Thomas, der Heinrich finanziell unterstützt hat, der Bezug aufeinander blieb bis zum Tod des Älteren 1950 intensiv, lernt Böttiger. Zum Teil wird ihm diese These zwar etwas überstrapaziert, insgesamt liest er Wißkirchens Buch aber doch mit Gewinn.