Der Band dokumentiert in Wort und Bild umfassend die Reisen, die Kafka in den Jahren 1909, 1911 und 1913 in die Schweiz und nach Italien unternommen hat. Zeitgeschichtliche Quellen, insbesondere Reiseliteratur und Fahrpläne, aber auch Nachforschungen vor Ort erlaubten eine minutiöse Rekonstruktion dieser Ferienrouten bis in die einzelnen Tagesabläufe hinein. Eine wesentliche Hilfe für das Verständnis der sehr lückenhaften und detailfixierten Aufzeichnungen Kafkas waren auch die Reisetagebücher und andere bisher unbeachtete Veröffentlichungen Max Brods, der Kafka teilweise begleitete. Die Auswertung dieser Zeugnisse erlaubte es weiterhin, Monumente und Ereignisse zu identifizieren, die in den lediglich als Gedächtnisstütze gedachten Aufzeichnungen Kafkas zwar angesprochen, aber nicht wirklich beschrieben werden, so dass sie dem Leser unverständlich bleiben müssen.
Mit viel Lob versieht Rezensent Ulrich Greiner diese "ausführlich kommentierte Bildersammlung", in der seinem Eindruck zufolge jedes "nur auffindbare Dokument" enthalten ist und was damit zusammenhänge. Greiner erwähnt, dass Hartmut Binders hartnäckiges Verfolgen jeder auch noch so abwegigen Kafka-Spur bei manchen Spezialisten als "Positivismus" belächelt werde. Trotzdem stoße jeder, der sich mit Kafka ernsthaft befasse, irgendwann auf Binders Ergebnisse, wozu nun auch diese Dokumentation zu Kafka und seiner von den Nazis ausgelöschten Familie zählt. Ein Album, dass den Vermutungen des Rezensenten zufolge, auch Kafka selbst hätte erfreuen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2008
Alexander Kosenina freut sich riesig über diesen "minutiösen Kommentar" zu Kafkas Reisetagebüchern. Dass Hartmut Binder nicht dabei gewesen sein soll, als Kafka und Brod zusammen das Mailänder Bordell "Al vero Eden" besuchten, kann er eigentlich kaum glauben. Derart gründlich misst Binder mit Zeichengriffel und Fotoapparat die Texte an der Wirklichkeit, dass er sogar die Erinnerung der Autoren noch zu korrigieren vermag, staunt der Rezensent. Dass der Rechnungsprüfer im Autor nicht gänzlich die Oberhand über die Texte gewinnt, kann Kosenina allerdings auch versichern. Literarische Bezüge und der Vergleich zwischen der Perspektive Brods mit derjenigen Kafkas (beide keine "Baedeker-Touristen") machen das Buch für ihn zum Lesegenuss. Und nebenbei, weil Kafkas Reisekasse eher überschaubar war, zum frühen Ratgeber in Sachen günstig Reisen.
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