Mit diesem Buch setzt Hartmut von Hentig die beiden "Mein Leben - bedacht und bejaht" überschriebenen Bände seiner Erinnerungen fort, deren Mitteilungen mit dem Jahr 2005 enden. Er wehrt sich schon mit dem Titel "Noch immer Mein Leben" gegen die Erwartung, es handele sich um eine Stellungnahme zu den gegen ihn im Zusammenhang mit dem Odenwaldschulskandal erhobenen Vorwürfe. Von diesem und diesen ist natürlich auch - und ausführlich - die Rede, aber als von dem Ereignis, das in den zehn vom Buch umfassten Jahren sowohl die weitestreichenden Folgen für ihn hatte als auch das gründlichste Nachdenken von ihm forderte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.06.2016
Volker Breidecker wird übel beim Lesen von Hartmut von Hentigs Erinnerungsbuch, in dem dieser vor allem die Verwicklungen seines Lebensgefährten Gerold Becker in den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule behandelt. Hoffnungsvoll, Hentig möge endlich den Opfern ihr Leid zugestehen und Beckers Rolle kritisch sehen, beginnt Breidecker die Lektüre, stößt auch auf Ansätze von Erkenntnis bei Hentig, wenn der um eine Sprache ringt für den Missbrauch, wird dann aber schon bald wieder abgestoßen von Hentigs Ignoranz und Unaufgeklärtheit, die das Leid der Opfer nur vergrößern kann, wie der Rezensent fassungslos feststellt. Einsicht Fehlanzeige, stattdessen Unverschämtheit, Selbstüberhöhung, Infamie, meint Breidecker.
Rezensent Bernhard Pörksen ist einfach entsetzt: Trotz aller Aufklärung ist Hartmut von Hentig noch immer "blind für die eigene Blindheit", oder er gibt sich wenigstens so, erklärt er. In "Noch immer Mein Leben" versucht von Hentig auf weit mehr als eintausend Seiten seine Position zu den Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule zu schildern, kommt allerdings auch hier nicht von seinem Bestreben weg, seinen langjährigen Lebensgefährten Gerold Becker in Schutz nehmen zu wollen, indem er dessen Opfer zum Eingeständnis ihrer Mitverantwortung auffordert, Journalisten, Wissenschaftler und immer wieder die Opfer selbst kritisiert und angreift, fasst Pörksen zusammen. Vielleicht hat sich von Hentig auch längst in das "Reich der instrumentellen Poesie" begeben und versucht sich selbst mit allen Mitteln der Eloquenz von einer für ihn erfreulicheren Wahrheit zu überzeugen, vermutet der fassungslose Rezensent.
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