Wieder einmal wird in Deutschland die existenzielle Frage von Krieg und Frieden debattiert - genauer: die Frage nach der Legitimation nationalstaatlicher Gewalt innen- und außenpolitisch. Der Militärdekan Hartwig von Schubert vertritt einen rechtspazifistischen Liberalismus (legal pacifism), der das Gewaltmonopol des Staates bejaht, weil nur so Recht und Frieden gewährleistet werden können. Damit nimmt er zugleich die Debatte darüber auf, welche Rolle Deutschland und Europa künftig bei globalen Konflikten spielen sollen, und bekräftigt das bewährte Programm gemeinsamer Sicherheit. Von Schubert versteht seine Schrift als Aufruf an die Kirchen im Mutterland der Reformation, beim Weiterbau am Menschheitstraum von Frieden und Freiheit auch unbequeme politische Realitäten anzuerkennen: Wer politische Freiheit will, muss herrschen, also Macht gebrauchen wollen. Doch wer herrscht, kompromittiert und kontaminiert sich mit der "Sünde der Welt". Das Verweigern der Tat aber hilft nicht und steht der reformatorischen Theologie und Tradition entgegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2019
Anspruchsvoll nennt Reinhard Bingener das Buch des Militärdekans an der Führungsakademie der Bundeswehr Hartwig von Schubert. Dessen mit Kant wie mit Luther und Paulus begründeten Versuch einer theologisch-philosophischen Rechtfertigung von Militäreinsätzen im Sinne der Rechtsstaatlichkeit findet Bingener in der Argumentation schlüssig. Eine konkretes Bild einer Sicherheitspolitik aus evangelischer Sicht bietet ihm der Autor aber leider nicht.
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