Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Nach langer Zeit der Abwesenheit kehrt Murtada al-Schamich nach Tunis zurück. Jahrzehnte sind vergangen, seit er Familie und Heimat hinter sich gelassen hat. Jetzt hat er nur ein Ziel: Dar al-Pascha, das Viertel, in dem sein Vaterhaus steht, wo er, streng religiös erzogen, eine unglückliche Kindheit verbrachte hatte. Als Halbwüchsiger war er dann eines Tages weggelaufen und hatte das beengende Milieu vermeintlich für immer hinter sich gelassen. Die Reise in die Vergangenheit fällt ihm nicht leicht...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2001
In dieser "fiktionalisierten Autobiografie", so lässt uns der Rezensent wissen, schildert der Autor sein Urtrauma - die frühe Trennung von der Mutter -, schildert seine Kindheit als "ausschließlich leidvolle" Erfahrung. Verklärt wird hier nichts mehr. Stefan Weidner gefällt gerade die unerbittliche Distanz, die einen "klassischen gesetzten" Stil hervorbringt und "im Vorübergehen" den westlichen Tourismustraum von orientalischer Esoterik als grausamen Aberglauben entlarvt. Zugleich jedoch sieht Weidner in dem Buch (besonders in einer "surrealen Traumsequenz", die er für eines der schönsten Stücke zeitgenössischer arabischer Prosa hält) das Zeugnis eines arabischen Humanismus, "der im Schlachtenlärm zwischen den radikalen Neuerern und den Reaktionären im Orient leider zu selten vernehmbar wird".
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