Hedwig Richter

Demokratie

Eine deutsche Affäre
Cover: Demokratie
C.H. Beck Verlag, München 2020
ISBN 9783406754791
Gebunden, 400 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Dass alle Menschen - wirklich alle! - gleich sein sollen, galt die längste Zeit als absurd. Die Historikerin Hedwig Richter erzählt, wie diese revolutionäre Idee aufkam, allmählich Wurzeln schlug, auch in Deutschland, und gerade hier so radikal verworfen und so selbstverständlich wieder zur Norm wurde wie nirgends sonst. Wer heute Angst vor dem Untergang der Demokratie hat, der lese dieses optimistische Buch, das uns zeigt, dass Demokratie auch von der Krise lebt, weil sie ein offenes und utopisches Projekt ist. Richter erzählt die Geschichte der Demokratie als eine Chronologie von Fehlern, Zufällen und Lernprozessen, in deren Zentrum der Zivilisationsbruch des Holocaust steckt. Ihr Buch konzentriert sich auf Deutschland, weil gerade an der deutschen Affäre mit der Demokratie deutlich wird, wie international verflochten die Wege zu Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sind.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.10.2020

Ingo Arend genießt das Buch der Historikerin Hedwig Richter mit Vorsicht. Anregend findet er ihre These von der Wirksamkeit der von aufgeklärten Eliten initiierten Reformen im Hinblick auf die Demokratiewerdung. Dass der Erste Weltkrieg ein "Irrweg aufgeputschter Massen" war, wie es im Buch heißt, möchte Arend allerdings nicht unterschreiben. Richters leidenschaftliche Argumentationsweise treibt laut Rezensent noch weitere ähnliche Blüten, bis hin zur Faktenwidrigkeit. Weil Richter aber immer wieder auch überzeugen kann, etwa mit der These von den neuen "Körperregimen" in der Tradition der demokratiefördernden Forderung nach der Unversehrtheit des Körpers, möchte Arend das Buch dennoch empfehlen, wenn auch nicht als streng historische Studie.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.09.2020

Rezensent Stefan Reinecke geht die Selbstzufriedenheit gegen den Strich, mit der die Historikerin Hedwig Richter die deutsche Demokratiegeschichte als Fortschrittserzählung beschreibt. In flotter Schreibe und mit eingängigen Buzzwords verzahne Richter die Geschichte der allmähliche Demokratisierung mit einer Befreiung des weiblichen Körpers. Zwei Dinge stören Reinecke daran: Zum einen fragt er angesichts der gedrillten Körper in Fabriken und Kasernen, über die Richter kein Wort verliere, ob männliche Körper so einfach aus heutigen Geschichtsnarrative herausgeschrieben werden können. Zum anderen missbehagt ihm nicht, wie die Historikerin Revolutionen zum überflüssigen Schauspiel abstempelt, als würden wohlmeinende Reformern der Sache des Volkes besser dienen. Für Reinecke ergibt das eine seltsame Melange aus "Feminismus und konservativen Geschichtsbildern".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2020

Rezensent Stephan Speicher verfolgt mit Freude das "Zusammenspiel gedanklicher Motive" im Buch der Historikerin Hedwig Richter. Auch wenn er nicht alle Schlüsse der Autorin teilt, folgt er ihr in ihrem Enthusiasmus für das Projekt der Demokratie. Deren Entwicklung in Deutschland zeichnet Richter auf relativ knappem Raum nach, aber mit geschickten Schwerpunktsetzungen und Zitaten, sodass am Ende nicht nur Thesen und Merksätze herauskommen, erklärt Speicher. Das Verhältnis von Masse und Eliten im Hinblick auf die Demokratie erörtert die Autorin laut Speicher ebenso wie die dunklen Seiten der Demokratie, etwa zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Von Richters Optimismus scheint sich Speicher allerdings anstecken zu lassen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de