"Es gibt keine Kraft in der Welt als die Liebe", schrieb Rainer Maria Rilke. Und nach diesem Credo lebte er: Er feierte die Liebe, verschrieb sich ihr mit ganzer Seele. Die Frauen standen für ihn im Mittelpunkt. Angefangen bei seiner innig geliebten Mutter Sophia und der gestrengen "Übermutter" Lou Andreas-Salomé über die Bildhauerin Clara Westhoff bis zu der großzügigen Mäzenin Fürstin von Thurn und Taxis. Leidenschaftliche Frauen wie die Dichterin Marina Zwetajewa waren verzaubert von Rilkes Poesie. Sie bewunderten, wie es dieser äußerlich unscheinbare Mann verstand, aus heißen Emotionen kühl und formvollendet Kunst zu gestalten. Heimo Schwilk erzählt in seiner neuen Biografie von diesen Frauen und ihren Schicksalen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2015
Für Thomas Meissner festigt sich mit "Rilke und die Frauen" vor allem der Eindruck, dass zwischen dem Mensch und seinen Worten einiges an Differenz herrschte. Denn, so mache Schwilk deutlich, ein großer Liebhaber sei Rilke nicht gewesen, eher ein "Sänger der Liebe". Ansonsten hat Meissner wenig Positives zu berichten: in seinen Augen misslingt der Versuch, Rilkes Frauenbeziehungen stringent mit dessen Biografie zu verknüpfen, die diversen Ersatzmütter, Musen und Geliebten existierten in Wirklichkeit viel eher parallel als nacheinander. Meissner berichtet enttäuscht, dass es nicht unbedingt ein Vorteil sei, dass sich Schwilk mit Kommentaren und Einschätzungen zurückhalte, denn in der Thesenbildung fehle es dem Rezensenten so an eindeutigen Stellungnahmen.
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