Heinrich Gerlach

Odyssee in Rot

Bericht einer Irrfahrt
Cover: Odyssee in Rot
Galiani Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783869711447
Gebunden, 928 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem dokumentarischen Nachwort versehen von Carsten Gansel. Die Wiederentdeckung von Heinrich Gerlachs monumentalem Werk über seine Zeit in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und den Versuch des Bundes Deutscher Offiziere, Hitler zu stürzen. Von den über drei Millionen Wehrmachtssoldaten, die zwischen 1941 und 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten, starben mehr als eine Million. Heinrich Gerlach überlebte. Das Grauen von Stalingrad hatte er in einem Roman verarbeitet, seinen schier endlosen Weg durch sowjetische Arbeits- und Gefangenenlager beschreibt er in seinem autobiografischen Bericht "Odyssee in Rot".
Im Lager Lunjowo war Gerlach aber auch Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Offiziere (BDO), eines Verbands kriegsgefangener Wehrmachtsoffiziere, die ab 1943 aus der Gefangenschaft deutsche Soldaten zur Desertion und zum Kampf gegen Hitler aufriefen - in aufgezwungener Zusammenarbeit mit Exilkommunisten wie Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht oder Erich Weinert. 1944 wurde in Nazi-Deutschland in Abwesenheit gegen Gerlach ein Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet, seine Familie kam in Sippenhaft. In seinem materialreichen Nachwort liefert Herausgeber Carsten Gansel zu Gerlachs Bericht Hintergrundmaterial aus russischen Archiven - etwa zu den Plänen, die die sowjetische Führung für die BDO-Mitglieder im Nachkriegsdeutschland hatte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2017

Knud von Harbou hält Heinrich Gerlachs Arbeiten für wichtige Zeitdokumente. Das vorliegende Buch über den Russlandfeldzug, die russische Gefangenschaft und die Gründung des Nationalkomitees Freies Deutschland überzeugt ihn in seiner Mischung aus objektivem Bericht, Tagebuch und Texterläuterung durch den Herausgeber. Vor allem die Authentizität, mit der Gerlach die Situation der Kriegsgefangenen nach dem Mai '45 schildert, scheint dem Rezensenten faszinierend. Der Mix aus Dokumenten wie Reden und Zeitungsartikeln und ihrer fiktionalen Ergänzung funktioniert laut Rezensent gut und gibt einen unmittelbaren, plastischen wie bedrückenden Eindruck der historischen Tatsachen in Stalingrad.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.07.2017

1957 erschien Heinrich Gerlachs "Odyssee in Rot", damals noch unter dem Titel "Die verratene Revolution" schon einmal, aus dem Gedächtnis rekonstruiert mit Hilfe eines Hypnotiseurs, damals interessierte sich jedoch niemand dafür, erklärt Rezensent Rudolf Walther. Romantisierende Heldengeschichten und verklärende Kriegsabenteuer, davon wollte und sollte man lesen, Gerlachs Roman passte jedoch nicht in dieses Schema und nicht in diese Zeit, denn was er auf 600 Seiten beschrieb, ist ein offener "Protest gegen das 'Bilderbuchheldentum' der angeblich sauberen Wehrmacht", das sowohl CDU als auch FDP und NPD verteidigten. Trotz dessen verstand Gerlach sein Buch nie als Vorwurf oder Verteidigung, sondern als Erlebnisbericht, lesen wir, dementsprechend klar, ehrlich, Moralin- und Pathos-frei ist auch seine Prosa, lobt der beeindruckte Rezensent und hofft, dass die rechte Zeit für dieses sowohl aufklärende als auch aufwühlende Buch nun endlich, nachdem das verloren geglaubte, bereits in russischer Gefangenschaft verfasste Manuskript wiedergefunden und hervorragend neu aufgelegt wurde, gekommen ist!

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