Heinrich Hauser

Donner überm Meer

Roman
Cover: Donner überm Meer
Weidle Verlag, Bonn 2001
ISBN 9783931135584
Gebunden, 208 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Walter Delabar. Mit sieben Photographien von Heinrich Hauser. Umschlag: Friedrich Forssman (nach dem Einband der Erstausgabe von 1929). Irland im Dauerregen: Ein Schriftsteller ist allein und will allein sein, um einen Roman zu vollenden, der sich ihm verweigert. Dieser handelt von einem Mann und einer Frau, die sich in nächtlicher Großstadt begegnen. Er nimmt sie mit auf sein Zimmer, doch bevor er etwas über sie erfahren kann, muss er den Notarzt holen ...Die Handlung des Romans ist fragmentiert, die Geschichte wird nicht ausgestaltet. Immer mehr schaltet sich der Erzähler ein, beschreibt sein vagabundierendes Leben in Irland und seine Übersiedelung nach Hamburg, wo er am Hafen ein Zimmer bezieht. Irgendwie ist er mit seiner Geschichte verwoben, man ahnt, dass er nicht nur einen Roman schreibt. "Donner überm Meer" ist 1929 bei S. Fischer zuerst erschienen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2002

Rolf Vollmann sieht in dem Buch ein Werk für den "wahren, furchtlosen Romanleser". Ganz in der Tradition französischer Romanciers seien besonders die "Ränder" dieses Romans bemerkenswert, die "gewaltig ausfransen" in die "gefühlsvollsten Reiseberichte, die mitfühlendsten Reportagen". Obschon der Rezensent die euphorische Technik-Verbundenheit des Autors Heinrich Hauser und seine leichte Aversion gegen die natürliche Umwelt nicht teilt, ruft er dazu auf, Hausers Begeisterung nicht zu verurteilen und gleichzeitig die eigenen Ängste vor der Technik zu überdenken. "Ulkig" findet Rolf Vollmann die Konstruktion des Romans: da gibt es einmal einen Ich-Erzähler, der einen Roman schreiben will, und Figuren aus diesem Roman, die dann aus eigener Perspektive weitererzählen. Jedoch sind solche und andere kleine Ausschweifungen und "Unarten" dieser "schönen kleinen Geschichtchen" keineswegs störend. Da packt Rolf Vollmann schon eher das Fernweh, und er wünscht sich selbst auf Reisen zu sein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2002

Endlich, ruft Rolf-Bernhard Essig begeistert aus, ist der 1929 geschriebene Roman "Donner überm Meer" wieder aufgelegt worden. Sämtliche Werke des Exzentrikers Heinrich Hauser, der 1901 in Berlin geboren wurde und 1955 in Dießen am Ammersee starb, seien nämlich leider, weiß der Rezensent, nur über Antiquariate erhältlich. In seiner langen Besprechung legt Essig den Schwerpunkt mehr auf Hausers Leben denn auf sein Werk, obgleich beides den Rezensenten sehr beeindruckt. Leicht muss der Umgang mit dem Abenteurer, Autor und Filmer für seine Zeitgenossen nicht gewesen sein. Lebensstil und Schreiben verleiten Essig gar dazu, ihn mit Jack London gleichzusetzen. "Donner überm Meer", "eine Mischung aus Roman, Reportage und Poetologie", habe an Aktualität nicht im geringsten eingebüßt. Darin geht es um den Flieger Fonk und die Großstadtfrau Lala, um das Fliegen, das Meer und um Irland, scharf beobachtet und meisterhaft geschildert, schreibt der entzückte Rezensent. Die Sprache Hausers weiß Essig gar nicht genug zu loben, "kalter, spöttischer Humor", "sezierendes Interesse" und "Faszination" seien ihre Kennzeichen, und, schreibt Essig weiter, sie habe den arhythmischen Herzschlag einer eigenwilligen komplexen Maschine, der im Leser noch lange nach dem Ende der Lektüre nachwirke.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2001

Zunächst porträtiert Volker Weidermann den heute kaum mehr bekannten Autor anlässlich seines hundertsten Geburtstags. Hausers hervorstechendste Eigenschaft war, so erfährt man, seine lebenslange, geradezu obsessive Technikbegeisterung. Sie präge auch den vorliegenden Roman, der seitenlange "andächtige" Beschreibungen von Schiffsmotoren, Schornsteinen und Flugzeugen enthalte. Diese nennt der Rezensent ein "Lesewunder", das eine neue Welt sehen lässt. Hausers utopische Vorstellung (und hauptsächliches Lebensziel) nämlich sei eine Versöhnung von Mensch und Maschine gewesen. Für den Traum vom "friedlichen Maschinenparadies" bildet, so Weidermann, die eigentliche Romanhandlung, eine kurze Liebesgeschichte mit tödlichem Ausgang, denn auch nur den blässlichen Hintergrund. Hier breitet Hauser "schwülstige Erotik" und "altmodischen Männerromantizismus" in expressionistischem Sprachgestus aus, die den Rezensenten unangenehm berühren. Interessant aber findet Weidermann, dass der Roman seinen Entstehungsprozess selbst vorführt und den Leser an seiner Konstruktion teilhaben lässt.
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