Mit 28 Abbildungen. Am 30. November 2009 wurde in München der Prozess gegen John Demjanjuk eröffnet. Die Anklage war der Schlusspunkt im abenteuerlichen Leben eines ukrainischen Bauern, der zwischen alle Fronten des 20. Jahrhunderts geraten ist. Wer ist dieser John Demjanjuk, der Soldat der Roten Armee war, Handlanger der Nazis, Fabrikarbeiter bei Ford und Häftling in einer israelischen Todeszelle? Und warum stand er jetzt in Deutschland vor Gericht - siebzig Jahre nach dem Völkermord? In Gestalt einer weit ausgreifenden Gerichtsreportage rekonstruiert dieses Buch den bizarren Lebensweg John Demjanjuks, in den alle Schrecken des 20. Jahrhunderts eingeschrieben sind: Krieg und Holocaust, der Ost-West-Konflikt, der Fall der Mauer und das Ende des Kommunismus. Das Verfahren gegen ihn war nicht bloß ein normaler Strafprozess: es war eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Naziverbrechen; es war eine Auseinandersetzung der deutschen Justiz mit dem eigenen Versagen nach 1945. Und es war ein letzter, fast verzweifelter Versuch, für Gerechtigkeit zu sorgen, solange wenigstens einige Opfer und Täter des Völkermordes noch am Leben sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.09.2011
Helmut König kommt mit diesem von Heinrich Wefing zusammengestellten Band in den zweifelhaften Genuss, den Demjanjuk-Prozess noch einmal genau Revue passieren zu lassen. Zweifelhaft, weil es ein Musterbeispiel einer tragischen Farce darstellt, wie König erklärt. Dass Wefing all die mit dem Prozess verbundenen Fragen und Antworten so glänzend und leicht referiert, detailliert und fundiert seine Kenntnisse mit dem Leser teilt, macht die Lektüre für den Rezensenten zum fesselnden, verstörenden Erlebnis. An dessen Ende steht die Erkenntnis, dass hier ein nur bedingt Schuldiger in die Mühlen einer defizitären internationalen Strafjustiz geriet, die Geschichtslektion und Rechtsprechung durcheinanderbrachte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.06.2011
Heinrich Wefings Buch über den Demjanjuk-Prozess liest sich für Rezensent Robert Probst wie ein "historischer Krimi". Er bescheinigt dem Autor, den hochkomplexen Prozesses, in dem mehr als 100 Aktenordner und 70000 Dokumente ausgewertet wurden, spannend aufbereitet zu haben. Souverän findet er die Ausblendung des grauen Gerichtsalltags und die Verwebung der seltenen Prozesshöhepunkte mit der Geschichte des heute 91 Jahre alten Demjanjuk. Er hebt hervor, dass Wefing auch Zweifel und Ambivalenzen äußert und Schwachstellen in der Anklage und im Urteil deutlich macht.
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