Helmut Salzingers ästhetische und gesellschaftspolitische Positionen sind bis zur Mitte der siebziger Jahre in einem steten Fluss. Vom wohlwollenden Beobachter und Interpreten der sich profilierenden Pop- und Protestkultur in den sechziger Jahren entwickelt er sich zum engagierten Fürsprecher der "Yippies" jener unorthodoxen hedonistischen Linken, die kulturrevolutionäre Programmatik mit einer "psychedelischen Lebensweise" verschmolzen wissen wollte , um schließlich ganz aus dem Kulturbetrieb auszusteigen und sich aufs Land zurückzuziehen. Auch bei ihm verwandelte sich die kulturrevolutionäre Euphorie allmählich in Desillusionierung. Salzinger war in diesem Punkt ein gar nicht untypischer Repräsentant seiner Zeit, allerdings wusste er seinen Sinneswandel so scharfsinnig wie kaum ein anderer Vertreter der Eskapisten-Fraktion theoretisch zu unterfüttern. Nicht zuletzt infolge der Rezeption von Carlos Castanedas esoterisch-mythopoetischen Schriften schmolz er die pro-revolutionäre Gesellschafts- in melancholisch-defätistische Zivilisationskritik mit radikalökologischem Einschlag um.
Rezensent Julian Weber blickt mit Interesse auf die von Frank Schäfer gelungen aufbereitete Wiederveröffentlichung popjournalistischer Texte des Autors Helmut Salzinger - auch wenn sie nur teilweise gut gealtert sind. Immerhin bieten sie Weber einen wertvollen Einblick in die anfangs zähe Entwicklung deutscher Popkritik, die nicht nur von den bürgerlichen Kulturvorstellungen, sondern auch von dem Umstand ausgebremst wurde, dass die deutsche Linke der Hippiekultur - stärker als in anderen westlichen Ländern - mit großer Skepsis begegnete und es für "unorthodoxe Positionen" wenig Raum gab. Salzinger, der auch unter dem Pseudonym Jonas Überohr schrieb, stand mit seiner Aufgeschlossenheit nach Webers Darstellung im deutschen Feuilletonbetrieb ziemlich alleine da, obwohl er nicht einmal so offen mit den wechselnden Moden umging wie "popaffizierte englische Autoren". So wurde seine Arbeit ein "langsames, teilweise auch qualvolles Scheitern". Den Vorwurf des Provinzialismus, wie ihn kürzlich Diedrich Diederichsen formuliert hat, möchte Weber dem Autor allerdings nicht machen. Dass die Bundesrepublik "Popentwicklungsland" war, war schließlich nicht Salzingers Schuld.
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